Wie Kinder heute aufwachsen, prägt ihre Gesundheit von morgen. Digitale Lebenswelten, Bewegungsmangel und ungleiche Gesundheitschancen standen deshalb im Mittelpunkt des Gesundheitspolitischen Forums, das am 23. September in Kooperation mit der Kammer stattfand.
In ihrem einleitenden Impulsvortrag erläuterte Ilona Kickbusch, Gründerin des Global Health Centre am Geneva Graduate Institute, dass Gesundheit nicht primär im Gesundheitssystem entsteht, sondern dort, wo Menschen leben, lernen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Familie, Schule, öffentlicher Raum und zunehmend auch die digitale Welt entscheiden wesentlich darüber mit, wie gesund Kinder und Jugendliche aufwachsen. Der Generationenvertrag müsse daher neu und in beide Richtungen gedacht werden: So wie die junge Generation Verantwortung für die Absicherung der Älteren trägt, muss umgekehrt die heutige Generation Bedingungen schaffen, unter denen Kinder gesund aufwachsen, lernen und später selbstständig leben können.
Angebote und Rahmenbedingungen für gesunde Lebenswelten
Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig betonte, dass Österreich nicht bei null starte: „Die Frühen Hilfen, die Tägliche Bewegungseinheit und niederschwellige psychosoziale Angebote sind bereits etabliert. Unser Anspruch ist, dass diese Angebote jedes Kind erreichen — unabhängig davon, wo es aufwächst.“ Sie sprach sich für einen stärkeren Schutz von Kindern im digitalen Raum aus und befürwortete das Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige.
„Gesundheit kommt nicht aus dem Spital. Sie entsteht zu Hause, im Kindergarten, in der Schule oder auch im Sportverein. Und heute müssen wir auch die digitale Lebenswelt mitdenken, die den Alltag unserer Kinder maßgeblich prägt“, betonte der steirische Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl.
Rainer Wolschner, niedergelassener Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, wies darauf hin, dass Behandlungsbedarf oft zu spät erkannt wird: „Oft kommen Kinder, die vor zwei bis drei Jahren schon eine Behandlung benötigt hätten. Wir könnten so viel Kinderleid verhindern, wenn wir ein Erinnerungssystem und ein strukturiertes Untersuchungsprogramm für Kinder über das fünfte Lebensjahr hinaus hätten.“
Einigkeit herrschte am Podium über einen zentralen Befund: Prävention, Vorsorge und der Schutz im digitalen Raum müssen besser ineinandergreifen. Bestehende Angebote sollen verlässlich auch jene Kinder erreichen, die bislang nicht ausreichend davon profitieren. Damit der von Ilona Kickbusch vorgeschlagene neue Generationenvertrag für gesundes Aufwachsen Realität werden kann, müssen mehrere Faktoren zusammenspielen: gemeinsame Ziele, verbindliche Zuständigkeiten und eine dauerhafte Absicherung wirksamer Maßnahmen.