Acht von zehn Gemeindevertretern sind sich die aktuelle Problematik bei der Besetzung von Kassenstellen bewusst. Und fast 70 Prozent wünschen sich bessere Arbeitsbedingungen für Kassenärzte, weil das die Zukunft ihrer Gemeinde positiv beeinflussen würde. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Kommunalverlages unter rund 1000 Bürgermeistern, Vize-Bürgermeistern, Amtsleitern, Gemeindemandataren und anderen Gemeindebediensteten.
Bei der Frage nach den größten Herausforderungen für die Gemeinden liegt das Thema „Gesundheit und ärztliche Versorgung“ auf Platz eins, noch vor Kinderbetreuung und Bildung. Mehr als ein Drittel der befragten Gemeindevertreterinnen und -vertreter sieht die ärztliche Versorgung ihrer Gemeinde in den kommenden fünf Jahren gefährdet. 15 Prozent gaben an, dass es in ihrer Gemeinde keine Kassenärztinnen oder -ärzte mehr geben wird.
„Wir müssen also gemeinsam daran arbeiten, dass die Kassenmedizin, speziell auch im ländlichen Bereich, wieder attraktiver wird. Ein wesentlicher Baustein sind vor allem am Land auch die ärztlichen Hausapotheken“, betont Silvester Hutgrabner, Allgemeinmediziner und Leiter des Referates für Hausapotheken und Medikamentenangelegenheiten in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) bei einer Pressekonferenz. Hausapotheken würden nicht nur die ärztliche Tätigkeit am Land attraktiver machen, sondern seien auf vielen Ebenen äußerst sinnvoll für die Versorgung. „Zu allererst profitiert davon der Patient. Er bekommt direkt beim Arztbesuch sein Medikament und kann sich sofort seiner Genesung widmen, ohne dass er mühsam zur nächsten Apotheke fahren muss oder Freunde und Verwandte um Hilfe bitten muss.“
Eine aktuelle Studie habe den vielseitigen Nutzen von ärztlichen Hausapotheken bestätigt. Zum einen lassen sich dadurch die Wegzeiten der Patient*innen für die Besorgung von Medikamenten deutlich reduzieren – das spart volkswirtschaftliche Kosten von zumindest 160 Millionen Euro. Zudem verursachen die privaten PKW-Fahrten zur Beschaffung von rezeptpflichtigen Arzneimitteln jährlich CO2-Emissionen von rund 30.000 Tonnen. Schon jetzt ersparen ärztliche Hausapotheken über 14.000 Tonnen CO2 und entlasten somit die Umwelt.
„„Wir wollen darüber diskutieren, wie medizinische Versorgung auch in Zukunft flächendeckend, erreichbar und verlässlich bleibt. Entscheidend ist, dass wir dabei die Perspektive der Menschen vor Ort in den Mittelpunkt stellen. Wenn die Österreichische Ärztekammer und 2.092 Gemeinden aus allen Bundesländern an einem Strang ziehen, können wir konkrete Verbesserungen erreichen – für Patient*innen ebenso wie für die Ärzt*innen, die tagtäglich für unsere Gesundheitsversorgung Verantwortung übernehmen“, sagt Manfred Sampl, Präsident des Salzburger Gemeindeverbandes und Bürgermeister von St. Michael im Lungau.