Physikalische Medizin

Ressourcen einsetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden

Rehabilitation beginnt nicht erst dort, wo ein Mensch „wiederhergestellt“ werden soll, etwa nach einer schweren Erkrankung. Sie setzt wesentlich früher an: im Akutkrankenhaus, bei Schmerzen und Erkrankungen des Bewegungsapparates, nach Operationen, bei chronischen Erkrankungen und im höheren Lebensalter.

red
Reha-Szene mit Hanteln - Patientin mit Therapeut
Eine integrierte Versorgung kann Komplikationen reduzieren und Folgekosten vermeiden.
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„Bereits mehr als jeder fünfte Mensch in Österreich ist 65 Jahre oder älter, bis 2040 wird es voraussichtlich mehr als jeder vierte sein. Gleichzeitig leben immer mehr Menschen mit chronischen Erkrankungen“, unterstrich Richard Crevenna, Senior-Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (ÖGPMR), bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der ÖGPMR-Jahrestagung 2026. Die zentrale Frage sei, wie verhindert werden könne, dass Krankheit dauerhaft zu Funktionsverlust, Pflegebedürftigkeit oder Verlust der Arbeitsfähigkeit führt.

Beispiel chronische Schmerzen
In Österreich leben Schätzungen zufolge 1,5 bis 1,8 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen. Eine 2025 publizierte österreichische Untersuchung zeigt hier erhebliche Versorgungslücken: Von 109 untersuchten Gesundheitseinrichtungen betrieben lediglich 51 eine Schmerzambulanz. Die Studie errechnet einen zusätzlichen Bedarf von rund 51 Ambulanzen und geht davon aus, dass etwa 70 Prozent der chronischen Schmerzpatientinnen und -patienten nicht durch eine Schmerzambulanz versorgt werden.

Früh behandeln, Folgekosten vermeiden
„Eine fachärztlich geführte Physikalische Medizin ermöglicht es, Patientinnen und Patienten frühzeitig zu beurteilen, Behandlungen gezielt zu koordinieren und vorhandene therapeutische Ressourcen dort einzusetzen, wo sie am dringendsten benötigt werden“, erläuterte Roland Celoud, Stellvertretender Bundesfachgruppen-Obmann für Physikalische Medizin und Rehabilitation in der Österreichischen Ärztekammer. Davon profitieren nicht nur die Patientinnen und Patienten. Eine integrierte Versorgung kann Komplikationen reduzieren, frühere Entlassungen aus der Intensivstation und aus dem Krankenhaus unterstützen und langfristig Pflegebedürftigkeit und Invalidisierung verringern. Damit besitzt die Physikalische Medizin auch erhebliches gesundheitsökonomisches Potenzial. Eine aktuelle Versorgungsanalyse berechnet für 2024 einen potenziellen Kostendämpfungseffekt von bis zu 862 Millionen Euro pro Jahr durch verkürzte Arbeitsunfähigkeit.

„Evidenzbasierte physikalisch-medizinische Maßnahmen können Schmerzen reduzieren, Körperfunktionen und Mobilität verbessern, Krankenstände verkürzen und dazu beitragen, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten“, betonte auch Klaus Hohenstein, Stellvertretender Fachgruppen-Obmann Physikalische Medizin und Rehabilitation in der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. Ausreichende Kapazitäten in diesem Bereich helfen somit effektiv, Wartezeiten zu verkürzen, eine frühzeitige Behandlung zu ermöglichen sowie aufwendigere Krankheitsverläufe und damit verbundene Folgekosten zu vermeiden.

„Evidenzbasierte physikalisch-medizinische Maßnahmen können Schmerzen reduzieren, Körperfunktionen und Mobilität verbessern, Krankenstände verkürzen und dazu beitragen, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.“