Kommentar von außen

„Wer nicht sät, kann nicht ernten“

Für sämtliche der 22 heimischen Universitäten stehen in den kommenden Jahren deutliche Budgetkürzungen im Raum. Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien, über den Forschungsstandort Österreich und warum die Kürzungen auch das medizinische Personal betreffen. 

Markus Müller
Mann in Anzug steht lächelnd vor Gebäude
Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien.
Foto: mh-photography

Anfang Oktober wird die Medizinische Universität Wien mit dem Eric Kandel Institute – Center for Precision Medicine und dem Center for Translational Medicine zwei neue Forschungszentren am MedUni Campus AKH eröffnen. Beide Einrichtungen werden in den nächsten Jahrzehnten dazu beitragen, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung rascher für Patientinnen und Patienten nutzbar zu machen und den Innovationsstandort Österreich international sichtbarer und wettbewerbsfähiger zu machen. Die Eröffnung der beiden Zentren fällt in eine Zeit, in der intensiv über die Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation in Österreich diskutiert wird. 

Der Kontrast zu unseren neuen Zentren könnte kaum deutlicher sein: Aktuell stehen beispiellose Budgetkürzungen für die österreichischen Universitäten im Raum. Im Vorfeld der Budgetrede im Nationalrat wurde der Universitätenkonferenz (uniko) mitgeteilt, dass das Budget für alle 22 Universitäten in den Jahren 2028 bis 2030, auf Basis der aktuellen Wifo-Prognose, real um etwa 14 Prozent gekürzt werden soll. Diese Entwicklung ist – bei weiterhin hohem „Staatskonsum“ - umso schwerer nachvollziehbar, als die Europäische Union ihr Forschungsbudget bis 2034 annähernd verdoppeln wird. Während andere Länder also weiter gezielt in Forschung und Innovation, auch als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung, investieren, droht Österreich diesen Kurs zu verlassen. Mit dem Abweichen vom seit 2011 konsequent verfolgten Investitionspfad hin zu einer „Innovation Leader Nation“ und damit zu einem führenden Forschungs- und Innovationsstandort, vollzieht Österreich einen tiefgreifenden Strategiewechsel, der zu mehreren Großdemonstrationen, allein in Wien mit rund 28.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, geführt hat. Der nunmehr bestätigte Kürzungspfad bedroht insbesondere auch die personalintensiven Universitätskliniken und deren Leistungsfähigkeit in Forschung, Lehre und Patientenversorgung. 

Die Debatte in Österreich ist Teil einer internationalen Entwicklung. Universitäten und Forschungseinrichtungen geraten weltweit zunehmend unter politischen und finanziellen Druck. Verlässliche Rahmenbedingungen sind daher entscheidend, auch für die wirtschaftliche Zukunft eines Landes. Unsere neuen Forschungszentren zeigen, welch enormes Potenzial in langfristigen Zukunftsinvestitionen liegt. Medizinischer Fortschritt entsteht dort, wo Forschung, klinische Anwendung und eine nachhaltige Finanzierung zusammenfinden, oder anders gesagt „Wer nicht sät, kann nicht ernten“.
 

Der nunmehr bestätigte Kürzungspfad bedroht insbesondere auch die personalintensiven Universitätskliniken und deren Leistungsfähigkeit in Forschung, Lehre und Patientenversorgung.
Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien