Heute gilt die Darmkrebsvorsorge mittels Koloskopie als selbstverständlich. Tatsächlich wird sie jedoch erst seit 2005 als Vorsorgeuntersuchung eingesetzt, zuvor diente sie ausschließlich der Diagnostik. „Wir wussten schon länger, dass Darmkrebs aus Vorstufen entsteht“, erklärt Tonninger-Bahadori. „Ein Pionier der Vorsorge war Dr. Karl Mach. Er führte Anfang der 2000er-Jahre im Burgenland eine große Studie durch und konnte dort durch flächendeckendes Screening die Darmkrebsrate signifikant senken. Damit war klar: Darmkrebs lässt sich tatsächlich verhindern.“ Darmkrebs ist heimtückisch und verursacht zunächst weder Schmerzen noch Symptome. Je weiter fortgeschritten, desto schwieriger ist er zu behandeln. „Es gibt Krebsarten mit sehr unterschiedlichem Aggressionspotenzial. Darmkrebs ist in einem frühen Stadium extrem gut behandelbar, man gilt dann wirklich als geheilt. In späten Stadien hingegen ist die Prognose sehr schlecht“, so die Ärztin.
Im Auftrag der Prävention
Als Chirurgin begegnet sie meist Patientinnen und Patienten im fortgeschrittenen Stadium. „Natürlich treibt es einen Arzt an, eine Erkrankung gar nicht entstehen zu lassen. Vorzubeugen ist immer besser, als zu behandeln.“ Gar keine Frage also, zuzusagen, als die Selbsthilfe Darmkrebs um ein Interview für die Sendung „Willkommen Österreich“ bat. Dass es sich dabei um das bekannte Satiriker-Duo Christoph Grissemann und Dirk Stermann handelte anstatt der Vorabendsendung mit Lizzy Engstler und Wolfram Pirchner, kam für sie unerwartet. „Ich war vor der Sendung sehr aufgeregt. Aber dann bin ich mit meinem mobilen Endoskopie-Koffer ins Studio spaziert und habe mir vorgestellt, das sind jetzt alles meine Patienten“, lacht Tonninger-Bahadori.
Vorsorgekoloskopie ab 45
Darmkrebsprävention ist heute einfacher denn je. Neben der Koloskopie, die alle zehn Jahre empfohlen wird, können im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung auch Stuhltests durchgeführt werden. Allerdings fällt dieser FIT-Test erst positiv aus, wenn ein Polyp mindestens einen Zentimeter groß ist. Die Koloskopie bleibt daher der Goldstandard. Ein wichtiger Fortschritt in der Früherkennung ist, dass die Koloskopie nun bereits ab 45 Jahren als Vorsorgeuntersuchung kostenlos verfügbar ist. Damit wird eine lang-jährige Forderung der Kammer umgesetzt, für die sich auch Tonninger-Bahadori besonders eingesetzt hat. Jetzt heißt es noch die Beteiligungsraten weiter zu erhöhen, weshalb die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien die große Awareness-Kampagne „Darm checken – Leben retten“ startet. Die Kampagne setzt dabei auf prominente Gesichter. Spots mit Pia Hierzegger, Chris Lohner, Manuel Rubey, Michael Niavarani, Claudia Kottal, Robert Palfrader, Hilde Dalik und Michael Ostrowski laufen auf Social Media und in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien. Zustande kam die Zusammenarbeit übrigens durch Kontakte, die Tonninger-Bahadori bei „Willkommen Österreich“ geknüpft hat. „Jeder Mensch, den wir mit unserer Botschaft erreichen, bedeutet im besten Fall eine Krebs-Patientin oder ein Krebs-Patient weniger. Also: Darm checken – Leben retten!“
Darmkrebs in Zahlen
In Österreich erkranken jedes Jahr rund 5.000 Menschen neu an Darmkrebs und etwa 2.500 Menschen sterben daran. Viele Darmtumore entwickeln sich langsam aus Polypen, die direkt bei der Darmspiegelung entfernt werden können. So lassen sich bis zu 90 Prozent der Fälle verhindern. www.aekwien.at/darmkrebsvorsorge