Eric Kandel Institut und Zentrum für Translationale Medizin

Zwei neue Forschungszentren in Wien

Am MedUni Campus AKH wurden das Eric Kandel Institute – Center for Precision Medicine und das Center for Translational Medicine eröffnet. Sie verbinden Grundlagenforschung, klinische Studien und personalisierte Medizin.

red
Ein Foto eines neuen Medizinzentrums am Campus des AKH
Wiens Position im Bereich der Spitzenmedizin wird um zwei medizinische Forschungszentren gestärkt: Eric Kandel-Institut und Center for Translational Medicine.
Foto: MedUni Wien/Hörmandinger

Am MedUni Campus AKH der Medizinischen Universität Wien und des Universitätsklinikums AKH Wien wurden das Center for Translational Medicine und das Eric Kandel Institute – Center for Precision Medicine offiziell eröffnet. Die beiden neuen Forschungsgebäude schaffen am Standort von MedUni Wien und AKH Wien einzigartige Voraussetzungen, um Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung zu übersetzen und Prävention, Diagnostik und Therapie stärker individuell auszurichten. 

Eröffnungsfeier durch Rektor der MedUni Wien Markus Müller (r.), die Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung Eva-Maria Holzleitner sowie Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. / Foto: APA-Fotoservice Daniel Hinterramskogler

Mit den beiden Forschungszentren werden am MedUni Campus AKH zwei eng miteinander verbundene Strategien für medizinische Innovation auf international höchstem Niveau weiterentwickelt: Während translationale Medizin darauf ausgerichtet ist, wissenschaftliche Erkenntnisse von der Grundlagenforschung in die medizinische Anwendung zu übertragen, setzt Präzisionsmedizin auf die Berücksichtigung individueller, biologischer und molekularer Unterschiede. Die direkte Anbindung der beiden Gebäude an den Baukörper des Universitätsklinikums AKH Wien durch Brücken ermöglicht eine unmittelbare Verbindung von innovativer Forschung und täglicher Patientenversorgung. Die MedUni Wien benannte das Center for Precision Medicine und den größten Hörsaal der MedUni Wien im Center for Translational Medicine nach zwei bedeutenden, 1929 in Wien geborenen, Persönlichkeiten der Medizin. Die Namen des Nobelpreisträgers Eric Kandel und des Vaters der modernen Kardiologie Eugene Braunwald, die als Kinder im Zuge des Anschlusses Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 fliehen mussten, werden somit für kommende Generationen an der MedUni Wien verewigt sein.

„Mit Eric Kandel und Eugene Braunwald würdigen wir heute zwei herausragende Persönlichkeiten der Medizin. Die Familien Kandel und Braunwald unterstreichen durch ihre Anwesenheit als Ehrengäste ihre große Verbundenheit mit unserer Universität. Mit den beiden neuen Zentren werden, vor allem für die kommenden Generationen, hier in Wien die Schienen für zwei zentrale Zukunftsfelder der modernen Medizin gelegt: die rasche Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Anwendung und eine zunehmend präzise, individuell ausgerichtete Medizin“, sagt Markus Müller, Rektor der MedUni Wien.

„Wir investieren nicht in Forschung um ihrer selbst willen. Wir investieren in Forschung, weil sie unser Leben besser machen kann. Mit dem neuen Center for Translational Medicine und dem Eric Kandel Institute schaffen wir die besten Voraussetzungen dafür, dass aus wissenschaftlichen Erkenntnissen schneller konkrete Fortschritte für Patientinnen und Patienten werden. Wir investieren in Forschung, weil sie unsere Gesellschaft stärker und unsere Zukunft besser macht“, sagt Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung.

„Mit dem Center for Translational Medicine und dem Eric Kandel Institut setzt Wien ein starkes Zeichen als internationale Gesundheits- und Forschungsmetropole. Wenn Spitzenforschung und Patientenversorgung Tür an Tür arbeiten, kommen neue Therapien schneller und präziser dort an, wo sie gebraucht werden – bei den Menschen in unserer Stadt. Denn Spitzenmedizin darf in Wien nicht zu einer Frage des Einkommens werden“, betont Bürgermeister Michael Ludwig und unterstreicht zudem: „Dass das Zentrum für Präzisionsmedizin den Namen unseres Ehrenbürgers Eric Kandel trägt, erfüllt mich mit Stolz und ist zugleich Auftrag: Das Wien von heute ist eine Stadt, die kluge Köpfe willkommen heißt – und nicht vertreibt. Eine Stadt, die Forschung und Innovation eine Heimat bietet.“

Vom Labor bis zur frühen klinischen Forschung unter einem Dach
Das Center for Translational Medicine (CTM) umfasst rund 14.000 Quadratmeter Nutzfläche, davon etwa 11.700 Quadratmeter für Forschung und 2.300 Quadratmeter für Lehre. Im Mittelpunkt steht das Prinzip der translationalen Medizin – „vom Labor zum Krankenbett und zurück ins Labor“: Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung sollen möglichst rasch für Patientinnen und Patienten nutzbar gemacht werden, während Erfahrungen aus der klinischen Versorgung wiederum in neue Forschungsfragen einfließen. Das CTM verbindet dafür die gesamte Entwicklungskette von experimentellen Laboruntersuchungen bis zur klinischen Phase-I/II-Forschung in einem Gebäude.

Hörsaal im neuen Universitätsgebäude.
Moderne und lichtdurchflutete Hörsäle im neuen Institut. / Foto: MedUni Wien Hörmandinger

Zur Infrastruktur zählen unter anderem ein klinisches Zentrum für Phase-I- und Phase-II-Studien, Labor- und Forschungsflächen, eine Biobank, Einrichtungen für Bioinformatik und präklinische Forschung sowie GMP-Einheiten für Zelltherapie, Radiopharmazie und Biologicals. Core Facilities ermöglichen Forschungsgruppen den Zugang zu spezialisierten Technologien und Geräten. Durch die unmittelbare Verbindung zum Hauptgebäude des AKH Wien rücken Grundlagenforschung, klinische Forschung und Patientenversorgung auch räumlich enger zusammen. Die Gesamtinvestitionssumme für das CTM beträgt rund 120 Millionen Euro und wird von Bund und Stadt Wien getragen.

Im neuen Center for Translational Medicine wird mit dem Eugene Braunwald Auditorium der größte Hörsaal der MedUni Wien nach Eugene Braunwald (1929 - 2026) benannt. Der österreichisch-US-amerikanische Kardiologe gilt als eine der prägenden Persönlichkeiten der modernen Herzmedizin. Braunwald verstarb am 22. April 2026 im Alter von 96 Jahren in Massachusetts, USA.

Präzisionsmedizin auf Basis individueller Merkmale
Das Eric Kandel Institute – Center for Precision Medicine (CPM) schafft auf rund 6.100 Quadratmetern eine spezialisierte Forschungsinfrastruktur für personalisierte und digitale Medizin. Künftig sollen hier rund 200 Forscher:innen an neuen Präventions-, Diagnose- und Therapiemethoden arbeiten, die individuelle biologische und molekulare Merkmale von Patientinnen und Patienten berücksichtigen. Zu den Schwerpunkten zählen biomedizinische Forschung, klinische Studien, Genomtechnologien, Bioinformatik und digitale Methoden. Moderne Verfahren wie Genomsequenzierung oder molekulare Bildgebung ermöglichen es, individuelle Krankheitsrisiken und molekulare Krankheitsmechanismen genauer zu erfassen und bei der Entwicklung gezielter medizinischer Maßnahmen zu berücksichtigen.

Das Forschungsgebäude bietet dafür unter anderem Flächen für computergestützte Biomedizin, Technologieplattformen und eine Biobank. Ziel ist es, zentrale Technologien der Präzisionsmedizin an einem Standort zu bündeln und neue Ansätze für Prävention, Diagnostik und Therapie zu entwickeln. Die Errichtung des rund 90 Millionen Euro teuren Zentrums wird aus Mitteln der European Recovery and Resilience Facility der Europäischen Union sowie aus Spenden finanziert.

Das Center for Precision Medicine trägt den Namen des 1929 in Wien geborenen Neurowissenschafters und Nobelpreisträgers Eric Kandel. Kandel musste 1939 mit seiner Familie vor dem nationalsozialistischen Regime in die USA emigrieren. Für seine Forschungen zu den molekularen Grundlagen von Lernen und Gedächtnis erhielt er 2000 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin; 2018 verlieh ihm die MedUni Wien die Ehrendoktorwürde.