Dass das Klinisch-Praktische Jahr teilweise auf die Basisausbildung angerechnet werden soll, sorgt für Kritik. Die Kammer fordert die Klärung offener juristischer und organisatorischer Fragen sowie Gespräche mit den Betroffenen.
red
Klinischer Alltag im KPJ soll vor allem Einblicke in die Abläufe garantieren.
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„Dass dieses Gesetz ohne weitere Anpassung und Ausführungen jetzt so in Kraft tritt, sorgt für großes Unverständnis. Leidtragende dieser unausgegorenen Idee sind die jungen Kolleginnen und Kollegen. Wir haben uns für andere kollegenfreundlichere Lösungen eingesetzt.“
Lisa Leutgeb, 1. Stellvertretende Obfrau der Kurie angestellte Ärzte
Mit Juni 2026 kommt es zu Änderungen in der Basisausbildung (erster Teil der ärztlichen Ausbildung nach dem Studium), die eine Reihe unerwünschter Nebenwirkungen auslösen könnte. Konkret sollen Medizinabsolventinnen und -absolventen zumindest teilweise das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ), das sie im letzten Studienjahr in Kliniken und Lehrkrankenhäusern absolviert haben, auf die neun Monate dauernde Basisausbildung im Spital anrechnen können.
Zu kurz gedacht „Intention der Änderungen ist offenbar, die Facharztausbildung für Allgemein- und Familienmedizin zu beschleunigen. Das ist aber zu kurz gedacht“, erklärt Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, und ergänzt: „Wir sind strikt gegen diese Änderung. Gerade zu Beginn der Ausbildung im Spital ist es wichtig, einen Einblick in die Abläufe zu bekommen und sich umfassendes Wissen anzueignen. Zudem ist noch völlig unklar, welche Teile des KPJ auf die Basisausbildung angerechnet werden können.“
Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte in der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. / Foto: Stefan Seelig
Lisa Leutgeb, 1. Stellvertretende Obfrau der Kurie angestellte Ärzte in der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. / Foto: Krisztian Juhasz
Das KPJ dient primär dem Erwerb praktischer Erfahrungen im Rahmen des Studiums unter Anleitung, während die Basisausbildung bereits mit einer weitergehenden Einbindung in die ärztliche Tätigkeit und einer schrittweisen Übernahme von Verantwortung verbunden ist. Maldonado-González: „Das KPJ ist ein integraler Bestandteil des Studiums und Voraussetzung für den Beginn der Basisausbildung. Eine Anrechnung auf die Basisausbildung wird schwer nachvollziehbar sein, da es unterschiedliche Voraussetzungen gibt.“ Welche Teile des KPJ sollen genau angerechnet werden? Nach welchen Kriterien? Wer stellt sicher, dass die Inhalte wirklich gleichwertig sind? Zudem wurde noch nicht rechtlich eindeutig beantwortet, ob bei einem Wechsel ins Ausland nicht genau die fehlende Zeit beanstandet werden könnte.
Dass solche einschneidenden Änderungen trotz vieler offener Fragen nun tatsächlich umgesetzt werden, trotz vorangegangener Gespräche und Warnungen bezüglich der Schwierigkeiten in der Umsetzung, ist für Lisa Leutgeb, 1. Stellvertretende Obfrau der Kurie angestellte Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, unbegreiflich.
Betroffene nicht miteinbezogen Die Ergebnisse der Modul-Umfrage der Ausbildungsevaluierung der Österreichischen Ärztekammer von 2025 zeigen zudem, dass eine deutliche Mehrheit der österreichischen Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung dafür ist, die Basisausbildung für alle beizubehalten. „Es kann nicht sein, dass jetzt über die Köpfe derer hinweg, die es direkt betrifft, nämlich die jungen Kolleginnen und Kollegen, eine überstürzte, mangelhaft vorbereitete Änderung in Kraft treten soll. Wir sind gesprächsbereit und haben konkrete Lösungen erarbeitet“, betont Leutgeb.
„Zuallererst sollten alle offenen juristischen und organisatorischen Fragen geklärt und vor allem Gespräche mit den Betroffenen geführt werden. Viele junge Kolleginnen und Kollegen geraten möglicherweise bereits ab Juni unverschuldet und ohne ausreichende Informationen in eine unklare Situation“, stellt Bernhard Schönthoner, Obmann der Sektion Turnusärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, fest.
Ein weiteres Problem sieht Vizepräsident Maldonado-González auf die Spitäler zukommen: „Diese Änderung hat gravierende Auswirkungen auf die Dienstpläne. Wenn zahlreiche Basisausbildungsärztinnen und -ärzte kurzfristig absagen, verschärft das den Personalmangel in den Spitälern noch weiter.“
„Es ist völlig unklar, welche Teile des Klinisch-Praktischen Jahres auf die Basisausbildung angerechnet werden soll.“
Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und Kurienobmann angestellte Ärzte