Noch nie in der Geschichte Österreichs ist es so vielen Menschen so gut gegangen wie heute. Ich darf als Tiroler Landeshauptmann im Bundesland mit der höchsten Lebenserwartung und den gesündesten Lebensjahren Verantwortung tragen. Wir können uns also glücklich schätzen, zu dieser Zeit in diesem Land zu leben und zu arbeiten. Das Gesundheitssystem in Tirol und Österreich steht aber ohne Zweifel vor großen Herausforderungen – und der Wunsch der Bevölkerung nach Veränderung ist enorm. Die Österreicherinnen und Österreicher wollen wissen, was wir anders machen, was sich verändert, was besser wird.
In Vorbereitung auf den Tiroler Vorsitz in der Landeshauptleutekonferenz im ersten Halbjahr 2026 habe ich bereits zahlreiche Stakeholder aus dem Gesundheitsbereich miteinbezogen. Bei der Gesundheit zeigt sich besonders stark, dass der Standort den Standpunkt bestimmt. In einem sind sich aber alle unterschiedlichen Player einig: die aktuelle Struktur ist nicht zielführend. Deshalb haben Bund, Länder und Gemeinden die Reformpartnerschaft ausgerufen. Das ist ein richtiges Signal, alle Ebenen haben den Handlungsbedarf erkannt. Der budgetäre Leidensdruck durch die enorme Ausgabendynamik im Gesundheitsbereich hat auch die letzten Bewahrer vom Reformbedarf überzeugt.
Bislang ist die Reformpartnerschaft hinter ihren Erwartungen geblieben. Allen Verantwortungsträgern ist aber klar: Wenn wir die Reformschritte nicht jetzt setzen, werden sie irgendwann andere für uns setzen. Dort, wo Veränderungen notwendig sind, müssen die Bundesländer die Spitze der Veränderung sein. Deshalb ist es mein Ansinnen, unter Tiroler LH-Vorsitz aus den Lippenbekenntnissen der Reformpartnerschaft, konkrete Ergebnisse zu machen.
Dabei verfolge ich einen klaren Ansatz: Reformen müssen aus Sicht der Patienten, nicht aus dem Blickwinkel der Kassen, der Berufsgruppen, der Interessengruppen oder der Gebietskörperschaften gedacht werden. Für die Bevölkerung ist nicht entscheidend, wer wofür zuständig ist, sondern dass sie schneller einen Termin bekommen. Für die Menschen zählen eine wohnortnahe medizinische Grundversorgung, eine qualitätsvolle Spitalsstruktur, engagiertes und gut ausgebildetes Gesundheitspersonal, bestmögliche Sicherheit und Verlässlichkeit. Für uns als Verantwortungsträger zählen aber auch Eigenverantwortung, Kostenwahrheit und ein nachhaltiges Finanzierungsmodell. Österreich muss gesund bleiben – die Menschen und der Staat.
Wie kann das gelingen? Das wird vielerorts diskutiert. Wer wirklich reformbereit ist, darf sich aber nicht auf Absolutpositionen zurückziehen. Es ist bekannt, dass sich für mich in der Zentralisierung selten eine Verbesserung ergeben hat. Ich vertrete die Ansicht, dass Gemeinden und Länder wie auch Ärzte und Mitarbeiter vor Ort das Ohr näher an den Menschen haben. Was Erfolg bringt, ist ein bundesweiter Rahmen, der vor Ort mit Leben gefüllt wird. Für mich kristallisieren sich drei Ansätze heraus, die wirken können. Eine bundesweit einheitliche Patientenlenkung kann zur Entspannung führen, was die Wartezeit reduziert. Eine zentrale Finanzierungssäule würde Kostenwahrheit und Fairness im System bringen. Und eine echte gemeinsame Struktur- und Kapazitätsplanung gibt Sicherheit und verschränkt niedergelassene, ambulante und stationäre Bereiche.
In diesem Sinne freue ich mich als nächster LH-Vorsitzender auf die ergebnisoffene Diskussion und neue Wege in der Gesundheitspolitik!