Impfungen in Apotheken

Klare und deutliche Absage

Die Bundesregierung will, dass Impfungen in Apotheken angeboten werden. Für die Kammer sind ärztliche Kernkompetenz, Notfallmanagement und Patientensicherheit beim Impfen unverzichtbar. Die Maßnahme wird klar abgelehnt. Eine Medikamentenabgabe in Ordinationen wird als sinnvoller gesehen. 

Stefan Eckerieder-Donovan

Die von der Regierung angekündigte Maßnahme, Impfungen ab 2027 auch in Apotheken zu ermöglichen, stößt bei der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien auf deutliche Kritik. Für die Standesvertretung steht dabei die Patientensicherheit klar im Mittelpunkt. „Impfen ist mehr als nur ein Stich. Es ist mehr als das Setzen einer Spritze. Es ist eine ärztliche Kernkompetenz, die medizinische Expertise, Erfahrung und die Fähigkeit zum Umgang mit Notfällen voraussetzt“, warnt Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, davor, Impfungen durch nicht medizinisch ausgebildete Personen zu ermöglichen. Steinhart verweist darauf, dass ärztliche Beratung, Risikoabschätzung, die Feststellung der Impftauglichkeit sowie ein entsprechendes Notfallsetting für verantwortungsvolles Impfen unerlässlich sind. Denn „Ärztinnen und Ärzten kennen die Risikoprofile ihrer Patientinnen und Patienten und gewährleisten eine sichere und korrekte Durchführung von Schutzimpfungen“, sagt der Kammerpräsident. Er betont die langjährige Ausbildung, die Medizinerinnen und Mediziner absolvieren, um medizinische Entscheidungen verantwortungsvoll und evidenzbasiert treffen zu können. Diese qualifiziere sie für lebenswichtige Behandlungen – dazu gehöre auch das Impfen. 

Niederschwelligen Zugang ausbauen

„Wir lehnen die angekündigte Maßnahme daher ab und fordern die Regierung zum Umdenken auf. Patientensicherheit muss oberste Priorität haben“, betont der Kammerpräsident. Unklarheit besteht im Gesundheitsministerium indes noch ,über die konkrete Ausgestaltung der Maßnahme, obwohl sie laut Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) noch heuer beschlossen und spätestens 2027 in Kraft treten soll. Auf Anfrage von Ärzt*in für Wien, welche Impfungen konkret in Apotheken angeboten werden sollen, wer diese durchführen darf, welche Kosten auf Patientinnen und Patienten zukommen und wie die Zugriffsrechte auf den E-Impfpass geregelt werden sollen, blieb das Gesundheitsministerium konkrete Antworten schuldig. In seiner Stellungnahme verwies es lediglich darauf, den Auftrag der Regierungsspitze zur Erarbeitung eines Modells umzusetzen. Gespräche mit den Systempartnerinnen und -partnern würden in den kommenden Wochen aufgenommen. Ziel sei es, den niederschwelligen Zugang zu Impfungen auszubauen und so die Impfquote zu erhöhen. 

Medikamentenabgabe in Ordinationen

Ablehnung kommt auch aus dem niedergelassenen Bereich. „Die medizinische Verantwortung muss dort bleiben, wo sie hingehört: bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten“, betont Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte. Sinnvoller wäre es aus ihrer Sicht, die Abgabe von Medikamenten direkt in Ordinationen zu ermöglichen. „Wenn Patientinnen und Patienten Impfstoffe und Medikamente im Sinne eines One-Stop-Konzepts direkt von Ärztinnen und Ärzten in den Ordinationen bekommen, ersparen sie sich den zusätzlichen Weg in die Apotheke. Das wäre organisatorisch und zeitlich eine große Entlastung für die Patientinnen und Patienten“, erklärt die Vizepräsidentin.