Prostata- und Männergesundheit
Die sechste Folge des Radio Wien-Podcasts „Spitzenmedizin Made in Wien“ stellt das Thema Männergesundheit und hier vor allem die Prostata in den Mittelpunkt. Shahrokh Shariat, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie am AKH Wien, im Gespräch über den rasanten Fortschritt in seinem Fach und die Revolution in der Medizin durch die KI.
Rund 7000 Männer erkranken in Österreich jährlich an Prostatakrebs, was jedem dritten Krebsfall bei Männern entspricht. Das macht ihn zum häufigsten „männlichen“ Krebs. Unter anderem geschuldet ist das der demografischen Entwicklung und unterschiedlichen Lebensstilfaktoren wie ungesunder Ernährung. Shahrokh Shariat, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie am AKH Wien, prognostiziert, dass in etwa zehn Jahren sogar jeder zweite Krebsfall bei Männern Prostatakrebs sein wird. Prävention sei daher umso wichtiger, so Shariat, denn die Früherkennung bringe wesentliche Vorteile wie etwa eine schonendere Behandlung – so überhaupt eine nötig sei.
Rolle des PSA
Die Bestimmung des PSA (Prostataspezifisches Antigen)-Wertes ist in der Prävention nach wie vor essenziell. Ist er erhöht, ist das aber längst kein Krebsmarker, wie landläufig oft geglaubt wird. Allerdings ist das ein Hinweis, dem man weiter nachgehen sollte. Nationale zielgerichtete Screeningprogramme rund um die Proststakrebs-Früherkennung fehlen dabei allerdings, vielfach wird genau bei den Männern, wo es am meisten Sinn machen würde, zu wenig getetest: Nur rund ein Drittel der Männer zwischen 40 und 70 Jahren bekommen überhaupt einen PSA-Test. Bei Männern über 80 käme es dagegen zu vielen unnötigen Testungen ohne Mehrwert, so Shariat. Dabei gibt es bei der Behandlung von Prostatakrebs viele positive Entwicklungen. So sind etwa die Operationen viel präziser, schonender und weniger radikal (Stichwort Prostataektomie) geworden. Durch hochpräzise Operationsmethoden konnten Inkontinenz oder Erektionsstörungen als Folge eines Eingriffs stark reduziert werden. Auch in den Statistiken zeigt sich Erfreuliches: Die Überlebensdauer mit metastasiertem Prostatakrebs liegt bei durchschnittlich sieben bis zehn Jahren, was noch vor fünf Jahren undenkbar gewesen wäre, so Shariat.
Revolution in der Medizin
Im Gespräch mit Moderatorin Heidi Heinzl waren zudem Künstliche Intelligenz, Präzisionsmedizin und die rasante Entwicklung in der Krebsforschung und -therapie Thema. „Die letzten zehn Jahre gab es eine Revolution rund um die Erkrankung Krebs“, so Shariat. Einerseits gab es rapiden Zuwachs beim Wissen um die biologischen Vorgänge, andererseits wirken Medikamente zielgerichteter und Therapien werden viel personalisierter angewendet: „Wir haben so viele Daten und so viel Wissen, aus dem wir die jeweils beste Behandlung für genau diesen, vom Krebs betroffenen Menschen ableiten können. Damit können wir extrem gezielte und genaue Therapien durchführen, die weniger Nebenwirkungen haben.“
Dabei spiele KI gerade in der Urologie eine große Rolle, Roboterchirurgie sei dort ohnehin Standard, nicht nur in der Krebsbehandlung. Shariat betont dabei eine interessante Entwicklung, die teils schon begonnen habe: Roboter, die direkt mittels KI gesteuert werden, führen Eingriffe unter chirurgischer Supervision durch. Der Vorteil dabei sei unter anderem eine geringere Fehlerquote. „KI im Allgemeinen ist ein Werkzeug, um den Patientinnen und Patienten eine bessere Behandlung und mehr Zeit zu bieten“, so der Urologe. Man könne damit zum Beispiel in der Bildgebung besser und fehlerfreier analysieren. Allgemein brauche es aber in der EU und in Österreich noch ein besseres Level der Integration Künstlicher Intelligenz.
