Bewegung als Win-win-Situation
Sport wirkt auf mehreren Ebenen, sei es bei kardiovaskulärer Fitness, Muskelkraft oder psychischer Gesundheit. Die Sportmedizin macht sich diese Effekte zunutze und analysiert den Einfluss von Bewegung, Training und Sport auf gesunde und kranke Menschen jeder Altersstufe. Ein Überblick mit dem Kardiologen Harald Gabriel, Leiter des Referates für Sportmedizin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien.
Wie wirken sich Bewegung, Training und Sport auf Menschen jeder Altersgruppe, egal ob krank oder gesund, aus? Sportmedizin beschäftigt sich – unter anderem – genau damit. „Prävention als einer der wesentlichsten Punkte, um Krankheiten vorzubeugen und Leistungsphysiologie, also den Körper an Belastungen im Alltag und in der Freizeit gut anzupassen, gehören zu denjenigen Bereichen der Sportmedizin, die im dazugehörigen Ärztekammerdiplom abgebildet sind“, so Harald Gabriel, der das Referat für Sportmedizin in der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien gemeinsam mit seinem ersten Stellvertretern Alexander Vojcsik und der zweiten Stellvertreterin Elvira Rarrel leitet.
Einen eigenen Facharzt für Sportmedizin gibt es dabei nicht. Die Zielgruppe des Referats sind Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin und Fachärztinnen und Fachärzte aller Sonderfächer (zumeist Internistinnen und Internisten sowie Orthopädinnen und Orthopäden) sowie approbierte Ärztinnen und Ärzte. Voraussetzung zum Erwerb anrechenbarer Weiterbildungen für das ÖÄK-Diplom stellt die Promotion dar.
Die jährlich stattfindenden Grundkurse, um das Diplom zu erwerben, werden dabei unter anderem bei den „Wiener Sportärztetagen“ angeboten. Heuer sind diese Mitte Mai über die Bühne gegangen. Grundkurse werden generell sowohl im leistungsphysiologisch-internistisch-pädiatrischem (LIP) Gebiet als auch auf orthopädisch-traumatologisch-physikalischem (OTP) Gebiet angeboten. Diesmal stand der OTP-Grundkurs bei den Sportärztetagen ganz im Zeichen des Breitensports Tennis, während sich der LIP-Grundkurs intensiv mit der sportmedizinischen internistischen Betreuung spezieller Patientengruppen befasste.
Trotz Krankheit körperlich aktiv
„Sport und Bewegung gehören genauso verordnet wie eine medikamentöse Therapie, wenn sie einen Erfolg erzielen sollen, und das stellt eine unserer Main Messages dar“, meint Gabriel. Die Zielsetzung kann dabei vom Erhalt der körperlichen Fitness bis hin zur Teilnahme an Wettkämpfen reichen. Um adäquat beraten zu können, braucht es fundiertes Wissen, unter anderem wie viel an Belastung in welcher Form man den Menschen zumuten kann. Besonders relevant in der Sportmedizin ist die Entwicklung, körperliche Aktivitäten und Sport in einem immer größer werdenden Ausmaß auch bei schon erkrankten Menschen zu integrieren. Dazu gehören zum Beispiel diejenigen mit kardialer, pulmonaler oder onkologischer Anamnese. „Hier unter Anleitung mit klarer Zielvorgabe körperliche Belastungen in den Alltag einzubauen, bringt viele Benefits“, so Gabriel. Studien zu körperlicher Aktivität und einzelnen Krankheitsbildern gibt es mittlerweile ausreichend, die positiven Effekte körperlicher Aktivität auf kardiovaskuläre Fitness, Muskelkraft und gesundheitsbezogene Lebensqualität sind vielfältig belegt. Sie haben dazu geführt, dass Bewegungstherapien mittlerweile einen wesentlichen Platz in rehabilitativen Therapien bekommen haben.
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Deutliche verbesserte Lebensqualität
Die WHO-Empfehlungen beim Thema Bewegung liegen bei 150 bis 180 Minuten mit moderater Intensität oder 120 Minuten mit intensiver Intensität für gesunde Menschen, sie gelten dabei als altersunabhängig. „Wir müssen uns jedenfalls der Frage stellen, wie wir den gesundheitlichen Problemen einer alternden Gesellschaft begegnen wollen. Und dabei ist die körperliche Aktivität ein ganz wichtiger Punkt. Wer sich regelmäßig körperlich mit einer moderaten Aktivität belastet, bleibt schlicht und einfach länger gesund und hat dabei eine deutlich verbesserte Lebensqualität und Motilität. Überspitzt gesagt ist die gut trainierte Achtzigjährige so mobil und fit wie die Vierzigjährige, die körperlich inaktiv ist“, appelliert Gabriel, auf jeden Fall körperlich aktiv zu werden. Er selber ist seit Jahren begeisterter Sportler: „Ich halte aber nichts davon, andere zu körperliche Aktivtäten zu überreden. Wichtiger erscheint es mir, die richtige Form der Bewegung zu finden und vorzuschlagen. Diese sollte niederschwellig angesetzt sein und vor allem Freude machen. Wie gut das auf allen Ebenen tut, erlebt dann ohnehin jede und jeder für sich selbst.“
Infos zum Thema Sportmedizin: https://www.aekwien.at/sportmedizin
