Mit Beharrlichkeit zur fairen Tariferhöhung
Aufwertung der Mangelfächer, Abwendung der Nullrunde für die Radiologie und der drohenden Degression für die Pathologie sowie die Vereinbarung einer Inflationsklausel – so lautet zusammengefasst das positive Ergebnis der Tarifverhandlungen der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien mit der ÖGK.
„Nach intensiven Monaten mit vielen Gesprächen, unzufriedenstellenen Angeboten, unbeantworteten Gesprächseinladungen und einem anschließenden Neustart der Verhandlungen konnten wir nun einen positiven Tarifabschluss für die Jahre 2025 und 2026 mit der Österreichischen Gesundheitskasse erzielen,“ zeigt sich Naghme Kamaleyan-Schmied, Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, zufrieden. „In budgetär höchstangespannten Zeiten haben wir einen fairen, tarifwirksamen Abschluss verhandelt, der die medizinische Versorgungssicherheit nachhaltig gewährleistet und der sich im Branchenvergleich wirklich sehen lassen kann.“
Intensive Arbeit in mehreren Verhandlungsteams
Das prognostizierte Defizit der ÖGK und damit verbundene Konsolidierungsmaßnahmen erschwerten eine Einigung erheblich. Ziel der Verhandlungen war es, tragfähige Lösungen zu entwickeln, die sowohl die wirtschaftliche Stabilität der Ordinationen sichern als auch die Versorgungsstrukturen nachhaltig stärken. „In mehreren Verhandlungsteams haben wir intensiv gearbeitet und für faire Tarife und eine strukturelle Aufwertung des Kassenbereichs gekämpft.“
Ein Rückschlag in den Verhandlungen kam im August 2025, als das tarifwirksame Angebot der Kammer, das zumindest die aktuelle Inflation abgegolten und strukturelle Verbesserungen ermöglicht hätte, ohne das Budget zusätzlich zu belasten, abgelehnt wurde. Die ÖGK begründete die Absage damit, dass Ärztinnen und Ärzte durch Mehrleistungen ohnehin höhere Einnahmen erzielen würden. „Diese Argumentation war weltfremd. Umso bedeutender ist, dass die ÖGK schlussendlich unsere Bedürfnisse verstanden und eingelenkt hat.“
Mangelfächer nachhaltig stärken
Die Versorgungssicherheit der Bevölkerung hängt maßgeblich von der Besetzung der Kassenstellen ab. Um alle Stellen nachhaltig zu besetzen, braucht es attraktive Rahmenbedingungen und den Abbau finanzieller Schieflagen zwischen den Fächern. „Nicht nur uns, sondern auch der ÖGK war es ein Anliegen, durch eine gezielt asymmetrische Verteilung bestehende Ungleichgewichte zu reduzieren.“ Deshalb wurde vereinbart, die Tarife in den Mangelfächern stärker anzuheben. Für das Jahr 2025 werden die Tarife für die Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Kinder- und Jugendheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Ausmaß von 3,5 Prozent rückwirkend mit 01.01.2025 erhöht. Die übrigen fachärztlichen Gruppen werden um 3,3 Prozent, die Radiologie um 1 Prozent angehoben (jeweils rückwirkend mit 01.01.2025). Durch die schiefe Verteilung der Erhöhung soll langfristig das Ziel erreicht werden, die Mangelfächer anzugleichen. „Die Erhöhung um über drei Prozent war ein gemeinsamer Kraftakt“, so Kamaleyan-Schmied.
Noch im August lag das Angebot der ÖGK bei 2,22 Prozent pro Jahr, für die Radiologie sollte es eine Nullrunde geben und in der Pathologie war gar die Einführung einer Degression auf dem Tisch. „Durch konsequente Verhandlungsführung konnten wir für alle Fachrichtungen Verbesserungen erreichen.“
Für die Fächer Pathologie und Labor wurden eigenständige Vereinbarungen getroffen. Unter anderem werden im Fach Labor neue, moderne Parameter eingeführt, in der Pathologie erfolgt eine Aufwertung des PAP-Tarifs. Die Physikalische Medizin und Rehabilitation verfügt noch bis Ende 2026 über einen bestehenden Abschluss mit der ÖGK.
Tarifabschluss 2026
Im Jahr 2026 werden die Fachgruppen Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Kinder- und Jugendheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe um 2,4 Prozent tarifwirksam erhöht. Die übrigen fachärztlichen Gruppen (inklusive Radiologie), ausgenommen Pathologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Labor, werden im Jahr 2026 durchschnittlich um 2,3 Prozent erhöht. „Die Systematik der asymmetrischen Verteilung wird damit auch 2026 fortgeführt und trägt zur nachhaltigen Attraktivierung der Mangelfächer bei“, so Kamaleyan-Schmied.
Finanzielle Planungssicherheit
Zur Erhöhung der Planungssicherheit wurde für 2026 zusätzlich zur vereinbarten Anhebung eine Inflationsklausel durchgesetzt. Übersteigt die tatsächliche Inflation im Jahr 2026 den Wert von 2,3 Prozent, erfolgt ein einmaliger Ausgleich von bis zu 0,2 Prozentpunkten.
Ein weiterer Erfolg ist die Valorisierung des SVÖ-Bonus (Sachleistungsversorgungs- und Öffnungszeitenbonus). Seit 2019 wird dieser Bonus an Ordinationen und Gruppenpraxen der Allgemeinmedizin sowie Kinder- und Jugendheilkunde ausbezahlt, wenn sie überdurchschnittlich versorgungswirksam tätig sind und freiwillig mindestens 25 Wochenstunden geöffnet haben. Die Valorisierung ist ein weiterer Baustein zur Aufwertung der Mangelfächer.
Neuregelung des Strukturtopfes
Sollte eine Kassenordination am bisherigen Standort nicht nachbesetzt werden können – etwa infolge struktureller Veränderungen oder fehlender Barrierefreiheit –, erhält die betroffene Ärztin beziehungsweise der Arzt eine Entschädigungszahlung aus dem Strukturtopf. Die entsprechenden Regelungen wurden im Zuge der aktuellen Verhandlungen angepasst. Die Details und vor allem das Inkrafttreten der Neuregelung werden noch im Zuge der Umsetzung des Abschlusses mit der Kasse geklärt. Der Strukturtopf wird unter definierten Einschränkungen auf Vertragsärztinnen und -ärzte limitiert. Für die entsprechenden Ärztegruppen wird der Topf laufend und zeitlich unlimitiert befüllt. In den österreichweiten Gesamtvertrag wird dies als Wiener Sonderregelung übernommen.
Verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen
„Diese positiven Verhandlungsergebnisse sind das Resultat unserer Beharrlichkeit in den langwierigen Verhandlungen. Mein Dank gilt den Kammermitarbeiterinnen und -mitarbeitern, den Verhandlungsteams und vor allem unseren Kolleginnen und Kollegen für ihre Geduld und ihr Vertrauen. Mit den vereinbarten Erhöhungen und strukturellen Anpassungen setzen wir einen wichtigen Schritt zur Stabilisierung der kassenärztlichen Versorgung. Die gezielte Stärkung der Mangelfächer ist dabei ein zentraler Baustein. Der fächerübergreifende Zusammenhalt war entscheidend für dieses Ergebnis. Gemeinsam ist es gelungen, verlässliche Rahmenbedingungen für die kommenden Jahre zu schaffen und damit die Versorgung der Wiener Bevölkerung nachhaltig abzusichern.“
