Theodor-Billroth-Preis
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Theodor-Billroth-Preis

Ausgezeichneter Querschnitt durch die Forschung

Moritz Muckenhuber, Razvan Bologheanu sowie Anna Plötzl und Anna Wicher sind die Preisträger und Preisträgerinnen des heurigen Theodor-Billroth-Preises. Was die Arbeiten auszeichnet und woher die Ideen dafür stammen, erzählen sie Ärzt*in für Wien im Kurzinterview. 

Eva Kaiserseder

MORITZ MUCKENHUBER, 30, Universitätsklinik für Herzchirurgie und thorakale Aortenchirurgie: 
1. Preis für die Arbeit „IL-6 inhibition prevents costimulation blockade-resistant allograft rejection in T cell-depleted recipients by promoting intragraft immune regulation in mice"  

Ärzt*in für Wien: Was ist das Thema Ihrer eingereichten Arbeit? 
Muckenhuber: Wir haben uns mit den immunologischen Mechanismen hinter Ab­stoßungsreaktionen bei Organtransplantationen beschäftigt. In einem Mausmodell der Herztransplantation konnten wir einen Zusammenhang zwischen Entzündung und Abstoßung herstellen: Die Entzündungsreaktion im Transplantat – welche durch das chirurgische Trauma sowie die Ischämie im Zuge der Transplantation unweigerlich eintritt – führt dazu, dass regulatorische T-Zellen (Tregs) nicht in das Transplantat einwandern können. Wird diese Entzündungsreaktion gezielt unterbunden, können Tregs das Organ erreichen, dort die Immunantwort modulieren und Abstoßungen wirksam verhindern. 

Ärzt*in für Wien: Welche Ratschläge würden Sie jungen Kolleginnen und Kollegen geben, um wissenschaftlich erfolgreich zu arbeiten? 
Muckenhuber: Jungen Kolleginnen und Kollegen mit Interesse an einer wissenschaftlichen Karriere würde ich raten, ein Thema oder Feld zu wählen, für das sie wirklich brennen. Intrinsische Motivation trägt durch schwierige Phasen. Außerdem sind Geduld und Ausdauer entscheidend: Wissenschaftliche Arbeit braucht Zeit, um solide und nachhaltig erfolgreich zu sein.


RAZVAN BOLOGHEANU, 36, Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin: 
2. Preis für die Arbeit „New Persistent Opioid Use After Surgery”

Ärzt*in für Wien: Worum geht es in Ihrer Publikation?
Bologheanu: Vor dem Hintergrund der anhaltenden Opioidkrise in den USA haben wir untersucht, wie häufig nach einer Operation ein neuer, persistierender Opioidkonsum in Österreich auftritt.

Ärzt*in für Wien: Was hat Sie zu dieser Forschungsarbeit inspiriert?
Bologheanu: Für mich war vor allem meine Erfahrung in Nordamerika besonders erhellend, insbesondere im Hinblick auf Schmerztherapie und die systemischen Unterschiede in der Opioidverschreibung. Wir verwenden einerseits viel weniger Opioide bei adäquater Analgesie als in Kanada und den USA, andererseits haben diejenigen Patientinnen und Patienten, die dazu neigen, Opioide länger zu konsumieren, hier die gleichen Risikofaktoren wie in Nordamerika. Es ist beeindruckend, wie stark klinische, kulturelle und systemische Faktoren die Verschreibungspraxis und die Outcomes beeinflussen und ich hoffe, dass wir künftig noch genauer untersuchen können, wie diese Mechanismen funktionieren und welche Lehren sich daraus ziehen lassen.

Ärzt*in für Wien: Warum hat es Sie fachlich zur Anästhesie hingezogen?
Bologheanu: Ich bin Anästhesist geworden, weil ich während des Studiums als Sanitäter tätig war und schon damals ein besonderes Interesse für Akut- und Notfallmedizin entwickelt habe. So habe ich die ersten Kontakte zu Anästhesie und Intensivmedizin gehabt und mich später für das Fach entschieden.
 

ANNA WICHER, 32, (spricht für beide Preisträgerinnen)und ANNA PLÖTZL, 30, beide Klinik Landstraße (Chirurgie):
2. Preis ex aequo für die Arbeit „A large single-center analysis of postoperative hemorrhage in more than 43,000 thyroid operations: The relevance of intraoperative systolic blood pressure, the individual surgeon, and surgeon-to-patient gender (in-)congruence.”

Ärzt*in für Wien: Was ist, einfach erklärt, das Thema Ihrer eingereichten Arbeit? 
Wicher: Sie untersucht, wie das Risiko einer gefährlichen Nachblutung nach Schild­drüsenoperationen reduziert werden kann, indem man einerseits intraoperativ einen ausreichend hohen systolischen Blutdruck aufrechterhält und andererseits diesen am Ende der Operation gezielt leicht erhöht, um okkulte arterielle Blutungsquellen demaskieren und versorgen zu können.

Ärzt*in für Wien: Was hat Sie bei dieser Forschungsarbeit am meisten überrascht?
Wicher: Am meisten hat mich überrascht, wie niedrig der Blutdruck intraoperativ häufig gehalten wird und wie ausgeprägt die systolischen Blutdruckspitzen postoperativ – vor allem schmerzbedingt – ausfallen können. Diese Ergebnisse haben mir eindrucksvoll gezeigt, wie entscheidend sowohl eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit als auch ein sorgfältiges postoperatives Management für ein optimales chirurgisches Outcome sind. 

Ärzt*in für Wien: Was sind Ihre Motivationsgründe, um als Ärztin zu arbeiten? 
Wicher: Für uns Chirurginnen und Chirurgen gehört eine Operation zum beruflichen Alltag, für Patientinnen und Patienten hingegen bedeutet sie jedoch einen Ausnahmezustand. Mir ist es daher ein großes Anliegen, Menschen in dieser Situation nicht nur fachlich kompetent, sondern auch empathisch zu begleiten, ihnen Sicherheit zu geben und Ängste zu nehmen. Gleichzeitig fasziniert mich an der Chirurgie die einzigartige Kombination aus intellektueller Herausforderung und präziser handwerklicher Tätigkeit. Das breite Spektrum und die viel­fältige tägliche Abwechslung bestätigen mich immer wieder in meiner Entscheidung, als Ärztin zu arbeiten

Das Gütesiegel des Theodor-Billroth-Preises erhielt Christina Bal für die Arbeit „Fractional exhaled nitric oxide in a respiratory healthy general population through the lifespan “. 

 

Gut zu wissen: Theodor-Billroth-Preis und Forschungsförderungspreis Erste Bank

Jedes Jahr honorieren die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien sowie die Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG den wissenschaftlich tätigen Nachwuchs. 

Die Einreichung derselben Forschungsarbeit ist nur für einen der beiden Preise möglich. Die eingereichten Forschungsarbeiten müssen Ergebnisse eigener wissenschaftlicher Tätigkeit beziehungsweise experimenteller Untersuchungen aus einem Fachgebiet der Medizin zum Gegenstand haben. Um für einen der beiden Preise in Frage zu kommen, muss die eingereichte Arbeit im Zeitraum vom 1. Juni des Vorjahres bis zur Einreichungsdeadline am 31. Mai des Einreichungsjahres veröffentlicht und bereits publiziert worden sein. Die For­schungsarbeit darf nicht für einen anderen Preis eingereicht worden sein.

Wir freuen uns über Ihre Beiträge, die Sie bis zum 31. Mai einbringen können. Alle Details hierzu finden Sie unter: www.aekwien.at/preise-auszeichnungen

Die Preisträger*innen Moritz Muckenhuber und Anna Plötzl halten ihren Siegerscheck in der Hand und lächeln in die Kamera. Im Hintergrund sind zwei Flaggen (Österreich und Wien) zu sehen, die an der Wand hängen.
Zwei Preisträger des Theodor-Billroth-Preises 2025: Moritz Muckenhuber und Anna Plötzl
Foto: Stefan Seelig
 
© medinlive | 13.02.2026 | Link: https://www.aerztinfuerwien.at/medizin/ausgezeichneter-querschnitt-durch-die-forschung