Zahlen, die zählen
| Aktualisiert:
Zahlen, die zählen

Der Wohlfahrtsfonds-Jahresabschluss 2024

Der Jahresabschluss des Wohlfahrtsfonds ist ein essenzielles Mittel, um die finanzielle Situation und Mittelverwendung des Wohlfahrtsfonds nachvollziehbar zu machen. Welche Schwerpunkte im vergangenen Jahr 2024 gesetzt wurden, wie sich die Einnahmen und Ausgaben entwickelt haben und welche Rückschlüsse sich daraus für die Zukunft ziehen lassen, darüber hat Ärzt*in für Wien mit dem Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses, Michael Lazansky, gesprochen. 

Nadina Nakicevic

Ärzt*in für Wien: Wie hat sich das Vermögen des Wohlfahrtsfonds im Jahr 2024 entwickelt?
Lazansky: Das Jahr 2024 war für den Wohlfahrtsfonds ein außerordentlich erfolgreiches Jahr. Unser Vermögen ist von rund 1,57 Milliarden im Jahr 2023 auf beeindruckende 1,71 Milliarden Euro angestiegen, das entspricht einem Zuwachs von 140 Millionen Euro. Die Performance des Masterfonds ist hier besonders hervorzuheben, der eine außerordentlich gute Rendite von 15,6 Prozent erwirtschaftete. Diese Performance war maßgeblich für die Vermögenssteigerung.
Im Kapitaldeckungsverfahren konnten wir einen Vermögenszuwachs von 393,7 Millionen Euro auf 428,2 Millionen Euro verzeichnen. Diese Zahlen zeigen, dass wir nicht nur wirtschaftlich solide arbeiten, sondern uns auch gezielt auf die Zukunft vorbereiten, um unsere Mitglieder bestmöglich abzusichern. Der Wohlfahrtsfonds befindet sich nun in einer Situation, in der aktiv an der Zukunftssicherung gearbeitet werden kann, ohne dass wir uns weiterhin mit Altlasten befassen müssen.

Ärzt*in für Wien: Welche wesentlichen Faktoren trugen zu dieser Entwicklung bei?
Lazansky: Ein wichtiger Faktor dieser Entwicklung ist die Immobilienbewertung. Beim Erwerb von Immobilien achten wir gezielt darauf, in wirtschaftlich tragfähige Immobilien zu investieren, die auch einzeln Vorteile bieten. Die neuen Liegenschaftsbewertungen, die wir im März erhalten haben, bestätigen eine Erhöhung der Sachanlagen. Ebenso wichtig ist unsere erfolgreiche Anlagestrategie. Wir als Pensionsfonds müssen immer ein Augenmerk auf einen Sicherheitsaspekt legen. Und wie bereits erwähnt, konnten wir an den Aktienmärkten eine Rendite von 15,6 Prozent erwirtschaften. Wesentlich ist auch die Streuung über die verschiedensten Anlageklassen. Der Wohlfahrtsfonds investiert neben Aktien auch noch in Anleihesegmente und wie erwähnt Immobilien. Diese Diversifikation dient dazu, potenzielle Risiken zu minimieren. Ergänzend dazu trägt auch unser Bestand an Golddukaten aufgrund des Inflationsschutzes als risikominimierendes Element zur Gesamtrendite bei. 

Ärzt*in für Wien: Gab es im Vergleich zum Vorjahr 2023 signifikante Veränderungen?
Lazansky: Absolut. Gemeinsam mit unserem Partner, der Concisa AG, konnten wir beobachten, dass die Zahl der altersversorgten Fondsmitglieder um 17,84 Prozent auf insgesamt 4129 Personen angestiegen ist. Dies zeigt deutlich, dass die Einführung der Pensionsreform erfolgreich gewesen ist. Eine weitere erfreuliche Veränderung betrifft die Gewinnreserve im kapitalgedeckten Verfahren. Diese wurde nach herausfordernden Zeiten wieder auf 22,3 Millionen Euro erhöht. Auch die Immobilienerträge haben maßgeblich zur positiven Gesamtentwicklung beigetragen. Darüber hinaus konnten wir die Zuschreibung von Finanzanlagen auf 83,4 Millionen Euro erhöhen, dies ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr, das stark von einer schwierigen Wirtschaftslage geprägt war.

Ärzt*in für Wien: Wie setzen sich die Einnahmen des Fonds zusammen, insbesondere im Jahr 2024?
Lazansky: Im Jahr 2024 erzielte der Wohlfahrtsfonds Einnahmen in Höhe von 253,8 Millionen Euro. Den größten Anteil daran hatten die Beitragszahlungen von (Zahn)Ärztinnen und (Zahn)Ärzten mit insgesamt 151,8 Millionen Euro. 

Allerdings können Beitragszahlungen alleine das System nicht stabilisieren, da verschiedenste Risiken abzudecken sind. Hier sind weitere Einnahmequellen nötig. Das wären beispielsweise unsere Mieteinnahmen, die wir als wesentliche Säule ansehen. 2024 konnten wir Mieteinnahmen in Höhe von 13,6 Millionen Euro verzeichnen. Noch befindet sich ein Großteil unserer Immobilien in Sanierungsphasen, sobald diese abgeschlossen sind, rechnen wir mit noch höheren Erträgen. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Zuschreibung von Finanzanlagen in Höhe von 83,4 Millionen Euro. 
Zusammengenommen machen die Mieteinnahmen und die Finanzanlagen nahezu 100 Millionen Euro der Einnahmen des Wohlfahrtsfonds aus. In Zukunft soll der Fokus noch stärker auf strategische Veranlagungsprodukte gelegt werden.

Ärzt*in für Wien: Wurden im Jahr 2024 Änderungen an der Anlagestrategie vorgenommen oder außergewöhnliche Investitionen getätigt?
Lazansky: Im Jahr 2024 wurden in Zusammenarbeit mit Feri Consulting Anpassungen im Bereich der Wandelanleihen vorgenommen. Die Performance der Masterfonds-Manager entsprach nicht den Erwartungen des Wohlfahrtsfonds. Das hat letztlich zu einer Neuausschreibung des Mandats geführt und zum Wechsel der Fondsmanager. Ein Teil der passiv verwalteten Segmente wurde zur Finanzierung des Immobilienankaufs Graben 19 entnommen. Diese konnten jedoch durch neue Mittelzuflüsse in den Wohlfahrtsfonds wieder vollständig aufgestockt werden und wurden in High Yield Anleihen sowie Emerging Markets reinvestiert. Das hat sich auch prompt rentiert, denn beide Segmente erzielten im Jahr 2024 eine positive Entwicklung. Zusätzlich führten Neubewertungen der Liegenschaften zu deutlich verbesserten Bewertungsansätzen, was sich ebenfalls positiv auf die Bilanz des Fonds auswirkte.

Ärzt*in für Wien: Wie hoch waren die Verwaltungskosten des Wohlfahrtsfonds im Jahr 2024 und inwieweit haben diese das Gesamtergebnis beeinflusst?
Lazansky: Die Verwaltung ist nicht per se etwas Negatives, sie kann im Idealfall helfen, Risiken und Fehlentwicklungen vorab zu erkennen und diese abzuwenden. 
Die Verwaltungskosten des Wohlfahrtsfonds, inklusive des operativen Geschäfts des Hauptdienstleisters Concisa, haben im Jahr 2024 rund 7 Millionen Euro ausgemacht. Bei Gesamterträgen von rund 253,8 Millionen Euro entspricht dies einem Anteil von 2,76 Prozent. Das Motto des Verwaltungsausschusses ist, die Verwaltungskosten so effizient wie möglich zu halten, damit ein möglichst großer Teil des eingenommenen Geldes unseren Mitgliedern zugutekommt. 

Ärzt*in für Wien: Wie setzen sich die Gesamtaufwendungen des Jahres 2024 zusammen und welche Positionen hatten den größten Einfluss auf das Jahresergebnis?
Lazansky: Von den insgesamt 199,5 Millionen Euro an Ausgaben sind klarerweise die Leistungen an die (Zahn)Ärztinnen und (Zahn)Ärzte mit 118 Millionen Euro führend. Auch die Dotierung der Deckungsrückstellung, die unseren Mitgliedern langfristig zugutekommt, wurde weiter gestärkt und auf 34,4 Millionen Euro angehoben. Für die Sanierung und Weiterentwicklung der Immobilien wurden 14,4 Millionen Euro aufgewendet. 

Ärzt*in für Wien: Wie hoch sind die Rückstellungen und Reserven des Fonds zum Jahresende 2024?
Lazansky: Die Rückstellungen und Reserven betragen zum Jahresende 2024 rund 450 Millionen Euro. Der größte Teil davon, nämlich 428,2 Millionen Euro, wird in die Deckungsrückstellung gesteckt. Diese Rückstellung ist notwendig, um die Mitglieder des Wohlfahrtsfonds auch bei zukünftigen Risiken abzusichern. Der Wohlfahrtsfonds hat ein schlechtes Image, das auf eine schwere Krise in den Neunzigerjahren zurückzuführen ist. Die dadurch erforderliche Sanierung, die viel Stress, Schmerz und Unmut erzeugt hat, ist nun allerdings abgeschlossen. 

Ärzt*in für Wien: Welche Bedeutung haben diese Rücklagen für die langfristige Stabilität des Wohlfahrtsfonds?
Lazansky: Das ist sozusagen unsere Daseinsberechtigung. Wir nehmen Kritik am Wohlfahrtsfonds ernst und auf solche Kritik kann bei einem Versicherungsprodukt nur mit Zahlen geantwortet werden. Wir definieren uns über Zahlen, konkret über unsere Rücklagen. Diese Rücklagen sind essenziell für die langfristige Stabilität des Wohlfahrtsfonds und gewährleisten, dass der Fonds die Verpflichtungen gegenüber den Mitgliedern auch in Zukunft erfüllen kann. Gleichzeitig müssen wir Risiken eingehen, jedoch stets mit einem soliden Plan und einer vernünftigen Strategie. Um diese Risiken entsprechend abzusichern, sind Rücklagen wie die Gewinnreserve und die Deckungsrückstellung von zentraler Bedeutung.

„Die Zahlen zeigen, dass wir nicht nur wirtschaftlich solide arbeiten, sondern uns auch gezielt auf die Zukunft vorbereiten, um unsere Mitglieder bestmöglich abzusichern.“
Der Arzt, Funktionär und Vorsitzender des Verwaltungsausschusses des Wohlfahrtsfonds Michael Lazansky sitzt bei einem Gespräch und lächelt, während er die linke Hand am Revers des Sakko hält.
Michael Lazansky: „Wir als Pensionsfonds müssen immer ein Augenmerk auf einen Sicherheitsaspekt legen.“
Foto: Stefan Seelig
„Der Wohlfahrtsfonds hat ein schlechtes Image, das auf eine schwere Krise in den Neunzigerjahren zurückzuführen ist. Die dadurch erforderliche Sanierung, die viel Stress, Schmerz und Unmut erzeugt hat, ist nun allerdings abgeschlossen.“
 
© medinlive | 13.02.2026 | Link: https://www.aerztinfuerwien.at/fuer-aerztinnen/der-wohlfahrtsfonds-jahresabschluss-2024