Prävention in vier Wänden
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Prävention in vier Wänden

Das Schutzhaus als Modell für ein gesundes Leben

Mit der Schutzhaus-Fibel möchte die österreichische Entwicklungshilfe-Pionierin Maria Hengstberger Menschen ein Werkzeug zur aktiven Gesundheitsvorsorge in die Hand geben.

Stefan Eckerieder

Dass ein Mensch seine Probleme und Herausforderungen nur dann erfolgreich meistern kann, wenn ihm das entsprechende Wissen zur Verfügung steht, war für mich schon immer ein zentraler Ansatzpunkt“, sagt die Gynäkologin und Entwicklungshilfe-Pionierin Maria Hengstberger. Ein Beispiel dafür ist ihre vor mehr als 35 Jahren gegründete „Aktion Regen“, die Frauen in Afrika Wissen vermittelt, um den eigenen Zyklus zu verstehen und eine bewusste Familienplanung zu ermöglichen. Mit ihrem aktuellen Projekt richtet sich Hengstberger nun an Menschen in Österreich, um das Bewusstsein für Vorsorge zu schärfen. Mit der Schutzhaus-Fibel ist ein kompaktes Heft entstanden, das „Menschen helfen soll, Wissen über ihre Probleme und Herausforderungen zu erlangen und erfolgreich zu meistern“, so Hengstberger. 

Lebensgewohnheiten hinterfragen

Kernstück ist ein von ihr entwickelter Fragebogen, den sie über zehn Jahre in ihrer gynäkologischen Praxis eingesetzt hat. „Er ist leicht verständlich und in Affirmationsform gestaltet. Durch diese Formulierung wird schon beim Ausfüllen ein positives Signal an das Unterbewusstsein gesendet“, erklärt sie. Der Bogen umfasst Fragen zu früheren Erkrankungen, erblichen Vorbelastungen, Ernährung, Bewegung, Schlaf, Naturbezug, sozialem Umfeld, Beruf, Zielen und Einstellungen. Die Antworten werden auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet, sodass Patientinnen und Patienten sofort sehen, in welchen Bereichen sie gesund leben und wo es Verbesserungspotenzial gibt. Bei jedem Ordinationsbesuch wird der Bogen erneut ausgefüllt. Ein Instrument, das den Fortschritt sichtbar macht und den Vorsorgegedanken stärkt. „Für mich war immer klar, dass Prävention eine zentrale Rolle in der Behandlung spielen sollte“, betont Hengstberger. Als Leiterin einer Lehrpraxis ließ sie angehende Ärztinnen und Ärzte den Fragebogen im Rahmen des Anamnesegesprächs gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten ausfüllen und auswerten. „Das Schutzhaus ist im Rahmen einer ganzheitlichen Anamnese mindestens so hilfreich wie ein Blutbefund. Und wer sich mit sich selbst beschäftigt, lernt Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen.“

Von der Fibel zum Verein

Das Schutzhaus-Konzept besteht aus mehreren Symbolen: Das Dach steht für das Bewusstsein, die vier Wände für die Erhaltung eines gesunden Körpers – Bewegung, Ernährung, Schlaf und den Bezug zur Natur. „Es verbildlicht das Zusammenspiel von Seele, Geist und Körper“, so Hengstberger. Mittlerweile gibt es auch ein dreidimensionales Schutzhaus-Modell, das sie bei Vorträgen in Schulen und Seniorenheimen einsetzt. Um den Gedanken der gemeinschaftlichen Vorsorge weiterzutragen, gründete Hengstberger den Verein „Wissen schafft Bewusstsein – das Schutzhaus für eine gesunde Lebensweise“. Ziel ist der Aufbau regionaler Schutzhaus-Clubs, in denen sich Menschen zwanglos austauschen, gemeinsam essen und Vorträgen lauschen können. „Es sollen auch Medizinerinnen und Mediziner teilnehmen, um Fragen zu beantworten und Tipps zu geben. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich zudem gegenseitig unterstützen“, sagt sie. 

Maria Hengstberger sitzt auf einem Sessel an einem Tisch. Vor ihr, am Tisch, steht ihr Schutzhaus-Modell
Maria Hengstbergers Schutzhaus macht die Prinzipien eines gesunden Lebens sichtbar.
Foto: Maria Hengstberger
 
© medinlive | 13.02.2026 | Link: https://www.aerztinfuerwien.at/panorama/das-schutzhaus-als-modell-fuer-ein-gesundes-leben