Fundierte, praxisnahe Fortbildung

Neue Leitung für den Wiener Impftag

Vor 25 Jahren hat Rudolf Schmitzberger, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, den Wiener Impftag gegründet. Begonnen hat dieser mit 30 Gästen. Beim diesjährigen Wiener Impftag waren rund 400 Personen dabei. Diese Fortbildungsveranstaltung wird von Rainer Wolschner, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten in der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, übernommen.

David Hell
Der Kammerfunktionär Rudolf Schmitzberger spricht gerade im Rahmen des Wiener Impftags 2026.
Vor 25 Jahren hat Rudolf Schmitzberger den Wiener Impftag ins Leben gerufen.
Foto: Stefan Seelig
„Impfungen sind eine Angelegenheit der Ärztinnen und Ärzte. Und jeder Arztbesuch sollte auch immer zu einem Impfcheck genutzt werden.“
Rudolf Schmitzberger, Inititator des Wiener Impftags

Ärzt*in für Wien: Im September fand der diesjährige Wiener Impftag statt. Wie fühlt sich das für Sie an, der Sie den Wiener Impftag vor 25 Jahren initiiert haben?
Rudolf Schmitzberger: 2001 gab es den ersten Wiener Impftag. Der österreichische Impftag bestand da schon ungefähr seit zehn Jahren, aber von den Bundesländern waren wir die ersten. Professor Mutz sowie Professor Huber, von der Kinderklinik Salzburg, haben uns damals ermuntert, so einen Impftag in Wien zu organisieren. Ich war damals in der Fachgruppe Kinderheilkunde in der Kammer tätig und habe das sehr gerne umgesetzt. Der erste Termin war sehr beschaulich und fand im Hörsaal der Kinderklinik der MedUni Wien statt. Meiner Erinnerung nach waren etwa 30 Leute im Publikum. Doch das Interesse ist immer größer geworden und so konnten wir bald mit dem Wiener Impftag in den Kursalon Hübner übersiedeln. Insgesamt waren wir in sechs verschiedenen Locations. Zwischenzeitlich fand der Impftag im Rathaus statt. Ich wollte jedoch jegliche politische Vermengung vermeiden und auch einem Wunsch der Kollegenschaft entsprechen, wieder die Impfstoffhersteller vor Ort eine Präsenz zu ermöglichen. Deshalb sind wir nun im MuTh - Konzertsaal der Wiener Sängerknaben.

Ärzt*in für Wien: Was waren die Intentionen bei der Gründung des Wiener Impftags?
Schmitzberger: Die Intentionen waren in etwa die gleichen wie heute – wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Fortbildung der Kollegenschaft, Bekämpfung der Impfmüdigkeit, zu geringe Zahl an Auffrischungsimpfungen und Masern. Gott sei Dank haben sich die Impfungen weiterentwickelt. Wir hatten viele Impfungen noch nicht im kostenlosen Impfprogramm enthalten. Dafür haben wir schon sehr kämpfen müssen, dass Österreich nicht nur der Weltmeister in den Impfempfehlungen ist, sondern Impfungen wie die Pneumokokken auch ins kostenfreie Impfprogramm kommen.

Ärzt*in für Wien: Andere Bundesländer haben mittlerweile auch einen Impftag. Was macht Wien anders?
Schmitzberger: Wir sind der einzige Impftag, und ich  sage das mit Stolz, der abends stattfindet. Viele Kolleginnen und Kollegen haben am Abend mehr Zeit und müssen nicht untertags für die Fortbildung die Ordination schließen. Wir beginnen bereits um 17 Uhr. Das ist schon ein Wagnis gewesen, aber es hat sich bewährt. Denn die Teilnehmerzahlen können sich sehen lassen: rund 200 Personen waren vor Ort und nochmals 200 waren online dabei, in Summe also 400 Teilnehmende. Hier wird Fortbildung und die Möglichkeit des Gedankenaustausches zwischen den Vortragenden sowie Kolleginnen und Kollegen in angenehmer Atmosphäre vereint.

Ärzt*in für Wien: Sie haben den Wiener Impftag heuer zum letzten Mal verantwortet. Mit wie viel Wehmut blicken Sie zurück und mit wie viel Freude nach vorne?
Schmitzberger: Sich von dem zu trennen, was man über viele Jahre und mit Herzblut gemacht hat, ist immer schwer. Aber ich sehe, dass das Projekt in sehr guten Händen ist. Mein Nachfolger ist Rainer Wolschner und zu ihm habe ich größtes Vertrauen. Bisher ist er beim Wiener Impftag hinter der Bühne gestanden und hat den Online-Chat betreut. In Zukunft wird er aber vorne stehen und das ist wichtig. Man muss die Jungen ranlassen und ich habe das auch lange genug gemacht.

Ärzt*in für Wien: Wie lässt sich die Impfbereitschaft in der Bevölkerung wieder erhöhen?
Schmitzberger: Meiner Meinung nach brauchen wir keine zusätzlichen Impfstellen, schon gar nicht in den Apotheken, aber wir brauchen eine ausreichende Anzahl an Impfdosen und eine verlässliche Logistik für die Bestellung und Distribution. Dann funktioniert das. Und natürlich steht die Patientensicherheit im Vordergrund. Man kann zwar Patientinnen und Patienten mit einem leichten Fieber und einer Infektion oder mit einem Schnupfen impfen, aber ich muss wissen, was dahinter steckt. Und das kann nicht die Apothekerin oder der Apotheker. Das ist nicht deren Kompetenz, das festzustellen, sondern Sache der Ärztinnen und Ärzte. Es bedarf eines medizinischen Wissens und einer Erfahrung, die über die Verabreichung der Impfung hinausgehen.

Ärzt*in für Wien: Wie sehen Sie die Situation bei den Auffrischungsimpfungen?
Schmitzberger: Da muss man aufpassen. Viele Menschen sind irgendwann einmal geimpft worden, haben aber nicht alle Teilimpfungen oder Auffrischungsimpfungen in Anspruch genommen. Da ist der Impfschutz natürlich nicht vorhanden. Sogar die FSME-Impfungen, bei denen wir hohe Durchimpfungsraten haben, sind in Österreich rückläufig. Damit die Auffrischungsimpfungen nicht vergessen werden, sage ich immer: Jeder Arztbesuch sollte auch zum Impfcheck genutzt werden.

Ein Mann sitzt bei einem Gespräch auf dem Podium und spricht in ein Mikrofon, das er in der Hand hält.
Rainer Wolschner, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, übernimmt ab nun auch den Wiener Impftag.

Übernahme durch die nächste Generation
Rainer Wolschner ist Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien ist niedergelassener Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde sowie Arzt für Allgemeinmedizin mit Spezialisierung auf Allergologie in Wien und Mödling. Er verantwortet ab nun auch den Wiener Impftag , der vorbehaltlich etwaiger Terminkollisionen, am Mittwoch, 15. September 2027, stattfinden wird. „Es ist mir eine große Ehre und ein Vergnügen von einem so erfahrenen Mentor wie Rudi Schmitzberger seit Monaten zu lernen und mit ihm bei den verschiedensten Themen, die jetzt vor der Erkältungszeit aufkommen, Lösungen zu erarbeiten. Gerade hier müssen wir versuchen in Zusammenarbeit mit all den Stakeholdern (Ministerium, Länder, ÖGK, et cetera) ein System zu erarbeiten, das es unseren Kammermitgliedern möglichst einfach macht, ihren Patientinnen und Patienten den Schutz zu ermöglichen, den sie benötigen“, sagt Wolschner.

 

„Meine persönliche Mission ist es, möglichst viel menschliches – vor allem kindliches – Leid durch die Möglichkeit von Schutzimpfungen zu verhindern.“
Rainer Wolschner, Leiter des Impfreferats in der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien