Über Status quo, Reformbedarf und Zukunftsperspektiven der Gesundheitsversorgung in Österreich diskutierten beim Austrian Health Forum (AHF) 2026 in Schladming mehr als 400 Expertinnen und Experten aus Gesundheitspolitik, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis. Über drei Tage hinweg standen zentrale Fragen zur Finanzierung des Gesundheitssystems, zur Zielsteuerung sowie zu notwendigen strukturellen Reformen im Mittelpunkt.
Denise Daum und Kathrin McEwen
Kammervertreterinnen und -vertreter beim Austrian Health Forum 2026 in Schladming.
Foto: AHF
Wie bereits in den vergangenen Jahren war auch heuer die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien stark vertreten. Vertreterinnen und Vertreter der Kammer brachten sich in zahlreichen Diskussionen und Panels ein und diskutierten gemeinsam mit Entscheidungsträgern aus Politik und Sozialversicherung über Herausforderungen und Zukunftsmodelle des österreichischen Gesundheitswesens.
Im Fokus standen unter anderem die nachhaltige Finanzierung des solidarisch finanzierten Gesundheitssystems, Effizienzsteigerungen im System, die Sicherstellung der Versorgung angesichts steigender Patientenzahlen sowie Reformvorschläge für eine moderne und patientenorientierte Gesundheitsversorgung.
Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, am Podium mit ÖGK-Obmann Peter McDonald beim Austrian Health Forum. / Foto: AHF
Präsident Johannes Steinhart diskutierte gemeinsam mit Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig, ÖGK-Obmann Peter McDonald, Fiskalratspräsident Christoph Badelt sowie Kärntens Gesundheitslandesrätin Beate Prettner über die Zielfunktion der aktuellen Reformprozesse und die künftige Ausrichtung des österreichischen Gesundheitssystems.
Steinhart bekannte sich dabei klar zum solidarisch finanzierten Gesundheitswesen. Dieses garantiere allen Menschen in Österreich Zugang zu medizinischer Versorgung auf hohem Niveau. Österreich könne stolz darauf sein, seinen Bürgerinnen und Bürgern eine ausgezeichnete medizinische Versorgung anbieten zu können. „Das können und müssen wir uns auch weiterhin leisten“, so Steinhart. Gleichzeitig verwies er auf die zunehmenden Herausforderungen durch demografische Entwicklungen, medizinischen Fortschritt und steigende Kosten. Reformen müssten daher vor allem die Versorgungssicherheit für Patientinnen und Patienten stärken und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte verbessern.
Kritisch äußerte sich Steinhart erneut zu einer rein auf Einsparungen fokussierten Diskussion. Österreich verfüge über eines der besten Gesundheitssysteme Europas, auf das man stolz sein könne. Entscheidend sei nun, vorhandene Ressourcen effizient einzusetzen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Kritik übte Steinhart am sogenannten „Wahlärzte-Bashing“. Wahlärztinnen und Wahlärzte würden das öffentliche System nicht schwächen, sondern stützen. „Die ÖGK spart dadurch Geld“, stellte er fest.
Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, beim Austrian Health Forum 2026 in Schladming. / Foto: AHF
Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, erklärte im Rahmen einer Diskussionsrunde zum Thema Innovation in der Medizin: „Moderne Technologien in der Medizin können eine Verbesserung in der Behandlung der Patientinnen und Patienten bringen. Dadurch kann es auf den ersten Blick zu einer Verteuerung im Gesundheitssystem kommen, aber längerfristig profitieren Patientinnen und Patienten von dieser Entwicklung.“ Auch ökonomisch würden sich jetzt getätigte Investitionen später positiv auf das Gesundheitssystem auswirken. „Wenn Behandlungen rascher und effizienter durchgeführt werden können, müssen Patientinnen und Patienten zum Beispiel kürzer im Spital aufgenommen werden und beanspruchen so das Gesundheitssystem kürzer, was zu Einsparungen führen kann“, erklärte Vizepräsident Maldonado-González. Andererseits müsse sichergestellt werden, „dass Ökonomie und wirtschaftliche Interessen niemals über die Medizin bestimmen dürfen“.
Ehrenpräsident Thomas Szekeres (3.v.l.) bei einer Podiumsdiskussion am Austrian Health Forum in Schladming. / Foto: AHF
Bei der Diskussion „Stellschrauben der Gesundheitsreform “ stellte Thomas Szekeres, Ehrenpräsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, klar: „Bei dem Thema Finanzierung des Gesundheitssystems greift meines Erachtens der Begriff aus einer Hand zu kurz, denn jeder möchte diese Hand sein und dadurch wird das System per se nicht besser.“ Beim Punkt der Einbeziehung von anderen Berufsgruppen betonte Szekeres, dass „jeder dort eingesetzt werden sollte, was er am besten kann und wofür er ausgebildet wurde“. Der dritte spannende Punkt in der Diskussion war der Überbegriff gesundes Leben. „Gesunde Lebensjahre sind eigentlich keine Aufgabe des Gesundheitssystems, sondern hängen von jeder und jedem einzelnen ab. Hier müsste viel mehr in Prävention investiert und bereits im Kindergarten beigebracht werden, was Gesundheit bedeutet und ausmacht“, ist Ehrenpräsident Szekeres überzeugt.
„Österreich verfügt über eines der besten Gesundheitssysteme Europas, auf das man stolz sein kann.“
Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien