Vorsorgeuntersuchung

Kindergesundheit im Fokus

Vorsorge muss bei den Jüngsten beginnen, darin war man sich beim Pressegespräch zur Kindergesundheit anlässlich des Kindergesundheitstags, der am 30. Juni 2026 in der SVS stattfand, einig. Viele gesundheitliche Probleme, die bei Erwachsenen auftreten, haben ihren Ursprung bereits in der Kindheit.

Katharina Hemmelmair
Eine Frau und drei Männer stehen vor Roll-Ups.
Gabriele Jaksch, Peter Lehner, Rudolf Schmitzberger, Nikolaus Angermayr (v.l.)
Foto: Moritz Scheer / SVS

„Als Ärztinnen und Ärzte sehen wir jeden Tag, wie wichtig die ersten Lebensjahre für die spätere Gesundheit sind“, sagt Rudolf Schmitzberger, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und langjähriger Leiter des Impfreferats der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, im Rahmen der Pressekonferenz. „Ein zentraler Baustein dabei sind Vorsorgeuntersuchungen. Sie helfen uns gesundheitliche, entwicklungsbedingte oder auch psychische Probleme frühzeitig zu erkennen. Je früher wir ansetzen, desto größer ist die Chance, dass aus gesunden Kindern gesunde Erwachsene werden.“ 

Genau hier klafft in Österreich aber eine Lücke, ausgenommen für Versicherte der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS), denen der sogenannte „Gesundheits-Check Junior“ zur Verfügung steht. Nach den Untersuchungen im Rahmen des Eltern-Kind-Passes gibt es für die meisten Kinder in Österreich keine strukturierte Vorsorge mehr, bis zur Volljährigkeit. Die Jugendlichenuntersuchung für 15- bis 18-Jährige ist nur für berufstätige Jugendliche vorgesehen, und die schulärztliche Versorgung kann diese Aufgabe allein nicht übernehmen. In Wien kommen auf eine Schulärztin oder einen Schularzt rund 1.900 Kinder und Jugendliche.

Aus ärztlicher Sicht ist es dringend notwendig, das bestehende Leistungsspektrum der Vorsorgeuntersuchungen für alle in Österreich Versicherten an aktuelle medizinische und gesellschaftliche Herausforderungen anzupassen und auszubauen. Dazu gehören flächendeckende regelmäßige Vorsorgeangebote bis zum 18. Lebensjahr für alle Kinder und Jugendlichen. „Wir brauchen daher eine moderne Kinder- und Jugendvorsorge für alle Kassen, ähnlich dem Modell des Gesundheits-Check Junior der SVS“, fordert Schmitzberger. 

Peter Lehner, Obmann der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS), erklärt: „Der Gesundheits-Check Junior schließt die Lücke zwischen dem Eltern-Kind-Pass und der Vorsorgeuntersuchung, die mit 18 relevant wird.“ Dabei handelt es sich um ein umfassendes, standardisiertes Vorsorgeprogramm für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren, um zielgerichtet und frühzeitig mögliche gesundheitliche Probleme und Risiken zu entdecken und diese erfolgreich behandeln zu können. Im Rahmen der ärztlichen Anamnese werden zunächst gesundheitsrelevante Informationen gemeinsam mit den Eltern besprochen und Impfstatus sowie Erkrankungen von Familienangehörigen abgefragt. In weiterer Folge werden gesundheitsrelevante Faktoren (z. B. Größe, Gewicht, BMI, Blutdruck) durch eine ärztliche Untersuchung erhoben. Bewegungsapparat, Körperhaltung und Entwicklung im Allgemeinen sowie Hören, Sehen, Zähne, Hals, Herz, Lunge und Bauch im Speziellen werden auf Auffälligkeiten geprüft. Zudem werden das Ess- und Medienverhalten sowie die Bereiche Schule und Familie hinsichtlich Auffälligkeiten und Erfahrungen mit Alkohol, Nikotin und Drogen thematisiert.

Neben der Einführung von Vorsorgeuntersuchung für Kinder und Jugendlich muss auch das kostenlose Impfangebot für alle in Österreich Versicherten ausgebaut werden. „Impfungen zählen zu den erfolgreichsten präventiven Maßnahmen der Medizin überhaupt“, sagt Schmitzberger. „Deshalb hat sich die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien vehement dafür eingesetzt, dass die RSV-Immunisierung in das kostenfreie Kinderimpfprogramm aufgenommen wird. Bei anderen Impfungen sehen wir noch Verbesserungsbedarf, beispielsweise bei der Impfung gegen Windpocken oder die RSV-Impfung für Schwangere. Die Impfberatung sollte zudem unbedingt als Kassenleistung angeboten werden.“

„Wir brauchen eine moderne Kinder- und Jugendvorsorge für alle Kassen, ähnlich dem Modell des Gesundheits-Check Junior der SVS.“
Rudolf Schmitzberger