Patientenversorgung

Produktiv in die Zukunft

Am 19. Juni diskutierten Expertinnen und Experten beim Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress in Wien unter Beteiligung der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien unter anderem über die Produktivität im Gesundheitssystem. Unter dem Motto „WIR.K.S.A.M. – Wir könnten sicher auch mehr.“ lautete eine der Kernfragen, woran in fünf Jahren erkennbar sein wird, ob unser Gesundheitssystem tatsächlich produktiver geworden ist.

Katharina Hemmelmair
Eine Frau und ein Mann sitzen auf einem Podium einer Diskussionsrunde.
Katayoun Tonninger-Bahadori, Moritz Mitterer
Foto: Österreichischer Gesundheitswirtschaftskongress

Katayoun Tonninger-Bahadori, Obfrau der Sektion Fachärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, war bei der Session „Strukturelle Entwicklungen für ein produktiveres Gesundheitssystem – Richtige Versorgung bedeutet richtige Outcomes“ gemeinsam mit Moritz Mitterer, Generaldirektor-Stellvertreter der Österreichischen Gesundheitskasse, Günther Wiesinger, Obmann des Fachverbands der Gesundheitsbetriebe der Wirtschaftskammer und Richard Gauss, Abteilungsleiter Strategische Gesundheitsversorgung der Stadt Wien (MA 24) am Podium. In ihrem Eingangsstatement machte sie klar, dass Produktivität im Gesundheitswesen nicht an Fallzahlen oder Einsparungen gemessen werden kann. „Produktiv ist ein Gesundheitssystem dann, wenn Patientinnen und Patienten rasch die notwendige Versorgung erhalten und Ärztinnen und Ärzte genügend Zeit für Diagnostik, Therapie und persönliche Zuwendung haben“, so Tonninger-Bahadori. „In Österreich haben wir ein sehr gutes Gesundheitssystem, aber wir sind mit zwei zentralen Herausforderungen konfrontiert: die Bevölkerung wird immer älter und braucht mehr Betreuung. Zudem ist der niedergelassene Bereich nicht ausreichend ausgebaut, um Leistungen aus dem stationären Bereich zu übernehmen.“

Als produktiv können jedenfalls die Fortschritte bezeichnet werden, die in der Medizin erzielt werden. Heute sind im niedergelassenen Bereich Eingriffe möglich, für die noch vor wenigen Jahren zwingend ein Spitalsaufenthalt erforderlich gewesen wäre. 

Als weiteres Beispiel für höhere Produktivität nennt sie eine umfassende Patientenversorgung, zu der auch die Abgabe von Medikamenten direkt in den Ordinationen gehören sollte. „Wenn eine Patientin oder ein Patient um 19 Uhr bei mir in der Ordination mit einer schmerzhaften Blasenentzündung sitzt, wäre es dringend geboten, das notwendige Medikament sofort mitgeben zu können, anstatt die Person quer durch die Stadt zur nächsten diensthabenden Apotheke zu schicken“, so Tonninger-Bahadori. „Das kostet das System nichts und würde die Patientenversorgung deutlich verbessern.“

Einigkeit herrschte am Podium dahingehend, dass für die Patientinnen und Patienten die Wartezeit ein wesentlicher Faktor sei und die Produktivität des Gesundheitssystems an deren Verkürzung gemessen werden könne. Darüber hinaus sei es für die Menschen unerheblich, ob eine medizinische Leistung ambulant oder stationär erbracht wird, aus welchem Topf diese Leistung finanziert wird und welche Strukturen und Prozesse dahinterstecken. Für Patientinnen und Patienten sei wichtig, dass sie rasch gut versorgt werden.

„Produktiv ist ein Gesundheitssystem dann, wenn Patientinnen und Patienten rasch die notwendige Versorgung erhalten und Ärztinnen und Ärzte genügend Zeit für Diagnostik, Therapie und persönliche Zuwendung haben.“
Katayoun Tonninger-Bahadori