2. Frauengesundheitstag

Impulse für geschlechtersensible Medizin

Im Fokus des Frauengesundheitstags am 30. Mai 2026 im Rathaus stehen die Themen Endometriose und unerfüllter Kinderwunsch. Veranstaltet wird die Fachtagung vom Referat für Frauenpolitik, Gender und Diversity in Kooperation mit dem Wiener Programm für Frauengesundheit.

David Hell
Drei junge Ärztinnen sitzen nebeneinander und sehen direkt in die Kamera.
Carmen Hagen, Nina Böck und Antonia Greb vom Referat für Frauenpolitik, Gender und Diversity (v.l.).
Foto: Stefan Seelig
„Das Besondere am Frauengesundheitstag ist, dass es um ein Thema geht, das sowohl betroffene, interessierte Frauen als auch Ärztinnen und Ärzte über ein Thema der Frauengesundheit zusammenbringt.“
Carmen Hagen

Die mit 6 DFP-Punkten approbierte Veranstaltung richtet sich an Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen sowie mit einem separaten Programm an interessierte Patientinnen. Im Fokus stehen zwei medizinisch und gesellschaftlich hochrelevante Themen: Endometriose sowie Reproduktionsmedizin für eine informierte Familienplanung. „Das Besondere am Frauengesundheitstag ist, dass es um ein Thema geht, das sowohl betroffene, interessierte Frauen als auch Ärztinnen und Ärzte über ein Thema der Frauengesundheit zusammenbringt“, sagt Carmen Hagen, Co-Referentin für Frauenpolitik, Gender und Diversity. 

Und Co-Referentin Nina Böck ergänzt: „Wir haben den Fokus heuer auf informierte Familienplanung unter Berücksichtigung der Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin gelegt und wollen andererseits das Bewusstsein für Endometriose als häufig unter- bzw. spät diagnostizierte und für Patientinnen sehr belastende Erkrankung stärken.“

Endometriose: diagnostische Verzögerung als Versorgungsproblem
Endometriose betrifft rund 7 Prozent der Frauen im reproduktiven Alter. Trotz dieser hohen Prävalenz liegt die durchschnittliche Zeit bis zur Diagnosestellung bei mehreren Jahren. In dieser Phase können chronische Entzündungen, Adhäsionen, Endometriome und persistierende Schmerzsyndrome entstehen – häufig mit erheblichen Einschränkungen im beruflichen und sozialen Alltag.

Ziel des Frauengesundheitstags ist es, die Sensibilität für die zyklusabhängige Schmerzsymptomatik zu erhöhen und aktuelle diagnostische sowie therapeutische Standards zu diskutieren. Neben operativen und medikamentösen Behandlungsoptionen werden auch psychosoziale Belastungsfaktoren sowie supportive Therapiekonzepte thematisiert.

Endometriose ist zwar nicht heilbar, aber bei frühzeitiger Diagnose und leitliniengerechter Therapie in vielen Fällen gut kontrollierbar. Voraussetzung dafür ist eine strukturierte, interdisziplinäre Versorgung.

Reproduktionsmedizin: Möglichkeiten, Grenzen, Verantwortung
Der zweite Themenschwerpunkt widmet sich der Reproduktionsmedizin im Kontext einer zunehmend späteren Familienplanung.

Diskutiert werden unter anderem:

  • strukturierte Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch
  • Basisdiagnostik in der gynäkologischen und allgemeinmedizinischen Praxis
  • fertilitätserhaltende Maßnahmen
  • rechtliche Rahmenbedingungen in Österreich
  • psychosoziale Aspekte bei unerfülltem Kinderwunsch

Nicht nur bei Endometriose stellt sich häufig bereits früh die Frage nach der individuellen Fertilitätsprognose und möglichen reproduktionsmedizinischen Optionen. Bei unerfülltem Kinderwunsch – unabhängig von der zugrunde liegenden Ursache – erfordert eine evidenzbasierte Beratung neben medizinischer Expertise auch fundierte Kenntnisse über die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie eine realistische Aufklärung über Erfolgsaussichten, Risiken und psychische sowie körperliche Belastungen.

„Es gibt noch immer viel Unwissen über die medizinischen Optionen bei unerfülltem Kinderwunsch. Eine Schwierigkeit besteht auch darin, dass in Österreich das Social Egg Freezing ohne medizinische Indikation erst ab April 2027 zulässig sein wird – nach einem langjährigen rechtlichen Verfahren bis hin zum Verfassungsgerichtshof“, erklärt Co-Referentin Antonia Greb.

Geschlechtersensible Medizin als Querschnittsthema

Über die beiden Schwerpunkte hinaus versteht sich der Frauengesundheitstag als Impuls für eine geschlechtersensible Medizin. Noch immer bestehen relevante Datenlücken hinsichtlich geschlechtsspezifischer Unterschiede in Symptomatik, Krankheitsverlauf und Pharmakotherapie.

Programm am Frauengesundheitstag

Nach der Begrüßung und einer Podiumsdiskussion am Vormittag folgt ein strukturierter fachlicher Schwerpunkt für Ärztinnen und Ärzte:

Endometriose (11:00–12:40 Uhr)

  • Pathophysiologie und Diagnostik
  • Operative und medikamentöse Therapieoptionen
  • Psychosoziale Aspekte
  • Supportive Therapien

Reproduktionsmedizin (14:00–15:50 Uhr)

  • Wann abklären bei unerfülltem Kinderwunsch?
  • Basisdiagnostik
  • Psychische Belastung
  • Fertilitätserhaltende Maßnahmen und rechtliche Aspekte

Die Veranstaltung schließt mit einem Networking zur fachlichen Vernetzung.

Einladung zur Teilnahme

Der 2. Frauengesundheitstag bietet eine kompakte, praxisrelevante und interdisziplinäre Auseinandersetzung mit zentralen Herausforderungen der Frauengesundheit.

Kolleginnen und Kollegen sind eingeladen, sich aktiv einzubringen, bestehende Versorgungsstrukturen kritisch zu reflektieren und Impulse für die tägliche Praxis mitzunehmen.

QR-Code zur Anmeldung für den Frauengesundheitstag im Rathaus.
Anmeldung und Information zum Frauengesundheitstag !

 

„Wir haben den Fokus heuer auf informierte Familienplanung unter Berücksichtigung der Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin gelegt und wollen andererseits das Bewusstsein für Endometriose als häufig unter- bzw. spät diagnostizierte und für Patientinnen sehr belastende Erkrankung stärken.“
Nina Böck
„Es gibt noch immer viel Unwissen über die medizinischen Optionen bei unerfülltem Kinderwunsch. Eine Schwierigkeit besteht auch darin, dass in Österreich das Social Egg Freezing ohne medizinische Indikation erst ab April 2027 zulässig sein wird – nach einem langjährigen rechtlichen Verfahren bis hin zum Verfassungsgerichtshof."
Antonia Greb