Nobelpreis für Medizin
Nobelpreis für Medizin

Höchste Auszeichnung für die Optogenetik

Die Verleihung des Preises für Medizin oder Physiologie ist der traditionelle Startschuss der Nobelpreiswoche: Heuer ging dieser an drei Forscher für „ihre Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen". Karl Deisseroth, Peter Hegemann und Georg Nagel haben damit die sogenannte Optogenetik geprägt. Österreichs Pionier auf diesem Gebiet, Gero Miesenböck, blieb außen vor. 

Eva Kaiserseder

Zum 125. Mal jährt sich heuer die Vergabe des prestigeträchtigen Nobelpreises. Dieses Jahr ging der Preis für Medizin oder Physiologie an drei Forscher, die laut Kommittee „den Grundstein für eine neue Ära in den Neurowissenschaften" gelegt haben haben. Der US-Amerikaner Karl Deisseroth und die beiden Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel teilen sich die mit insgesamt 12 Mio. Kronen (1,06 Mio.) dotierte Auszeichnung „für ihre Entdeckungen im Bereich lichtgesteuerter Ionenkanäle und der Optogenetik“, so das Kommittee als Begründung. Diese „bietet Möglichkeiten, das Gehirn auf eine Weise zu kartieren, von der wir früher nur träumen konnten“, so Per Svenningsson, Vorsitzender des Kommittees. 

Karl Deisseroth, Peter Hegemann und Georg Nagel (v.li.) haben den heurigen Nobelpreis für Medizin oder Physiologie erhalten.  

 

Sehr vereinfach gesagt, ist die Optogenetik eine Methode, mit der sich die Aktivität einzelner Nervenzellen in einem lebenden Gehirn ein- oder ausschalten lässt. Mittlerweile wird die Technologie, für die auch der österreichischer Forscher Gero Miesenböck als Pionier gilt, welweit in Laboren eingesetzt. Der seit 2007 in Oxford forschende Oberösterreicher erklärte sie im Interview mit Ärzt*in für Wien folgendermaßen: „Es geht um die Steuerung von Zellen im intakten Gehirn durch Licht. Die Optogenetik kombiniert zwei Prinzipien. Das erste Prinzip ist die genetische Abgrenzung von unterschiedlichen Zelltypen. Und das zweite ist die Kommunikation durch Photonen, durch Licht. Das funktioniert so, dass man durch genetische Modifikation in bestimmte Nervenzellen Lichtrezeptoren einbaut. Wir haben uns von lichtempfindlichen Zellen im Auge die lichtempfindlichen Proteine ausgeborgt und sie durch genetische Modifikation in verschiedene Nervenzellen transplantiert." Die Optogenetik gilt als vielversprechender Weg, weitere Hinweise zu liefern, wie der kausale Zusammenhang zwischen dem menschlichen Gehirn und der Steuerung von Gefühlen, Verhaltensweisen und Körperfunktionen funktioniert. 

Die Nobelpreiswoche wird am Dienstag mit der Bekanntgabe der Preisträger für Physik und am Mittwoch jener für Chemie fortgesetzt. Der Literaturnobelpreis folgt am Donnerstag, der Friedens-Nobelpreis am Freitag und die Wirtschaftswissenschaften als Abschluss am kommenden Montag. Traditionell werden die Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, verliehen.

 

 

 

 
© Ärztin für Wien | 05.10.2026 | Link: https://www.aerztinfuerwien.at/index.php/medizin/hoechste-auszeichnung-fuer-die-optogenetik