Tausendsassa Ronny Tekal

Rampensau im zweiten Bildungsweg

Arzt, Medizinkabarettist, Gesundheitsjournalist, Buchautor – Tausendsassa Ronny Tekal kreist mit Begeisterung um sein Lieblingsthema, die Medizin. Warum er das Thema Tod durchaus mit Humor nehmen kann, zwei Wochen Strandurlaub alles andere als verlockend für ihn sind und wie wichtig ihm seine Rolle als Wissensvermittler ist.

Eva Kaiserseder
Zwei Männer, davon einer Arzt, sitzen an einem Tisch im Gespräch
Ronny Tekal (hier mit seinem Bühnenpartner Norbert Peter, links) ist Allgemeinmediziner und lebt seinen Beruf auch auf der Bühne im Medizinkabarett.
Foto: Johannes Ehn

„Ich glaube, ich bin so eine Art medizinisches Multifunktionstool“, antwortet Ronny Tekal auf die Frage, wie er sich selbst angesichts all seiner beruflichen Spielarten bezeichnen würde. Arzt wurde er aus Neugier und Begeisterung nach einem kurzen Abstecher in die Psychologie. „Damals waren die Vorlesungen auch auf der Psychiatrie, unter anderem bei Max Friedrich und Michael Musalek, die mich sehr beeindruckt haben. Und ich habe festgestellt, die Themen, die mich am meisten interessieren, kommen aus der Medizin, also bin ich dorthin gewechselt, was damals glücklicherweise noch unkompliziert möglich war.“ 

Geboren und aufgewachsen in Wien Meidling, bezeichnet sich Tekal selbst als unspektakulären Schüler mit klassischer Laufbahn am Gymnasium. Auf die Bühne zog es ihn aber schon damals, erzählt er: „Ich würde mich als schüchtern geboren und Rampensau im zweiten Bildungsweg bezeichnen.“ Seine ersten Schritte in Richtung Kabarett machte Tekal während seiner Ausbildung als Arzt. „Wir jungen Ärztinnen und Ärzte sollten damals Vorträge halten für die Patientinnen und Patienten, und ich habe gemerkt, selbst nicht rasend lustige Themen wie Arthritis funktionieren einfach besser mit Humor.“ Daraus entwickelte sich peu a peu gemeinsam mit seinem Partner Norbert Peter das, was heute als „medizinisches Infotainment“ oder Medizinkabarett fungiert. Damit haben die beiden bislang mehr als eine halbe Million Menschen unterhalten, über ein Dutzend Programme wurden mittlerweile auf die Bühne gebracht. Peter, der Kommunikationswissenschafter ist, und Tekal sind nicht nur dort ein kongeniales Duo. „Norbert ist schlicht ein wahnsinnig angenehmer Mensch, und weil wir beide nicht nur wirklich gut befreundet, sondern auch sehr harmoniebedürftig sind, funktioniert unsere Partnerschaft seit 30 Jahren.“ Was ihn selbst zum Lachen bringt? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Das sind meist absurde Situationen, die ernst gemeint sind und durch ihre Ernsthaftigkeit und im Bemühen, alles richtig zu machen, eine große Skurrilität und Komik entwickeln. Das beste Beispiel dafür ist für mich Loriot.“

Schmerzgrenze: Bloßstellung

Humor und Medizin sind für Tekal aufs Engste verknüpft, wobei seine Schmerzgrenze nicht etwa beim Tod liegt, sondern in ganz anderen Gefilden. „Sterben, Tod und Leiden sind für uns keine Tabus, denn da sitzen wir alle im selben Boot, und das Lachen gehört dazu, bis zum Lebensende. Was Ärztinnen und Ärzte auf Palliativstationen sicherlich bestätigen können. Humor bedeutet ja wesentlich mehr als Witze machen – es bedeutet, einen Schritt beiseite zu treten und sich das Geschehen aus einer anderen, neuen Perspektive anzuschauen.“ Die Schmerzgrenze auf der Bühne und in all seinen humoristischen Beiträgen ist für ihn fehlende Empathie und sich auf Kosten anderer, Schwächerer lustig zu machen. Und auch Tekals erlernter Beruf lebt seiner Meinung nach von der Empathie: „Der Umgang von Ärztinnen und Ärzten mit ihren Patientinnen und Patienten lebt von einem respektvollen Miteinander, und das ist mir auch auf der Bühne wichtig: niemanden bloßzustellen.“

Der Journalismus ist Tekals anderes berufliches Standbein und das seit Jahrzehnten. Ö1 fungiert dabei als Heimathafen: Tekal arbeitet seit langem in der Radio-Wissenschaftsredaktion und leitet seit 2024 die Redaktion des Gesundheitsmagazins „Am Puls“. Die Themen sind dabei vielfältig, die Bandbreite reicht von Hirnforschung über psychische Gesundheit und Überdiagnostik bis Abnehmspritze. Dabei sieht er sich unter anderem als Vermittler komplexer Inhalte: „Ich sauge medizinische Themen wie ein Schwamm auf, weil sie mich extrem interessieren. Meine Rolle als Journalist ist es dann, diese teils komplizierten Infos der Zuhörerschaft verständlich zu machen und herunterzubrechen. Ich halte Health Literacy, also medizinische Sachverhalte zu verstehen und einordnen zu können, für fundamental wichtig.“ 

 „Es brodelt in mir“ 

In eben diese Kerbe schlägt auch sein Engagement für PULS, einen Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes. „Ich durfte hier 2008 Gründungsmitglied sein, und unsere Idee war es, auch für Laiinnen und Laien leicht zugängliche und zu benutzende Defibrillatoren im öffentlichen Raum aufzustellen.“ Mittlerweile gehören die Defis in Wien zum Stadtbild, 834 betriebsbereite Defibrillatoren sind registriert und 194 davon rund um die Uhr öffentlich zugänglich. Wie er bei so vielen Tätigkeiten zur Ruhe kommt? „Eigentlich kann ich das kaum, ich bin jemand, der auch in seiner Freizeit gerne hyperaktiv ist“, sagt Tekal zum Thema Privatleben. Medizin als Thema, das ihn brennend interessiert, fasziniert und sich für ihn wie ein Hobby anfühlt, lässt ihn auch da nicht los. „Mich zwei Wochen reglos an den Strand zu legen, wäre weit, weit weg von meiner Vorstellung von Traumurlaub. In mir brodelt es immer ein bisschen, es müssen Geschichten raus, erzählt und formuliert werden, in welcher Form auch immer.“

 

Gewinnspiel: 1x2 Eintrittskarten für „Das höchste Gut" 

Im aktuellen Programm von Peter&Tekal geht das preisgekrönte Kabarett-Duo der Frage nach dem höchsten Gut nach und liefert überraschende Antworten. Für beste Unterhaltung ist jedenfalls gesorgt, sobald die Bühnenordination geöffnet ist.

Wann: Donnerstag, 30. April 2026, 19.30 Uhr Wo: Orpheum,1220 Wien, Steigenteschgasse 94B, Beginn: 19.30 Uhr

Gewinnspiel-Teilnahme: Bitte senden Sie uns eine E-Mail an pressestelle@aekwien.at mit dem Betreff „Peter&Tekal". Verlost wird nach dem Prinzip „first come, first served". Bitte beachten Sie, dass wir Ihren vollen Namen, E-Mail Adresse sowie Mobil- oder Telefonnummer benötigen. Nur dann kann am Gewinnspiel teilgenommen werden. Die Gewinnerin bzw. der Gewinner wird bis 17. April verständigt.

 

TAGS:
„Wir jungen Ärztinnen und Ärzte sollten damals Vorträge halten für die Patientinnen und Patienten, und ich habe gemerkt, selbst nicht rasend lustige Themen wie Arthritis funktionieren einfach besser mit Humor.“
„Mich zwei Wochen reglos an den Strand zu legen, wäre weit, weit weg von meiner Vorstellung von Traumurlaub. In mir brodelt es immer ein bisschen, es müssen Geschichten raus, erzählt und formuliert werden, in welcher Form auch immer.“