Polizeiärztlicher Dienst
Polizeiärztlicher Dienst

„Kein Tag ist wie der andere"

Polizeiärztinnen und -ärzte nehmen eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen Medizin und öffentlicher Sicherheit wahr. Trotzdem läuft ihre vielseitige Arbeit oft unter dem Radar. Um einem drohenden Personalmangelmangel entgegenzuwirken, muss an einigen Schrauben gedreht werden.

red

Polizeiärztinnen und -ärzte haben wohl einen der vielfältigsten Jobs im Gesundheitswesen: Von Tatortarbeit im Zusammenspiel mit der Kriminalpolizei über Haftfähigkeitsuntersuchungen oder Checks rund um die gesundheitliche und körperliche Diensttauglichkeit für den Beruf als Polizistin oder Polizist: Routine ist dabei ein Fremdwort. Trotzdem läuft dieser vielschichtige Aufgabenbereich in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit eher unter dem Radar. Ein akuter Personalmangel in diesem Feld besteht zwar noch nicht, allerdings ist er absehbar, denn die Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge rollt auch hier an.172 Polizeiärztinnen und -ärzte gibt es momentan österreichweit. Der bundesweite polizeiärztliche Dienst ist dabei im Innenministerium angesiedelt, zudem in den jeweiligen Landespolizeidirektionen, wo er von LPD-Chefärztinnen und -ärzten geleitet wird.

Eine zentrale Herausforderung ist die Frage, wie die polizeiärztliche Versorgung langfristig sichergestellt werden kann. „Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren in Pension gehen, wird die Nachbesetzung von Ärztinnen und Ärzten in vielen Bereichen des Gesundheitssystems herausfordernd“, sagt Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, im Rahmen einer Pressekonferenz der ÖÄK. Er verwies dabei auf veränderte Erwartungen an die Arbeitswelt. Planbare Arbeitszeiten, eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie attraktive Beschäftigungsmodelle würden an Bedeutung gewinnen. „Das betrifft selbstverständlich auch die Polizeiärzte, wobei hier schon einige sinnvolle Maßnahmen in diese Richtung gesetzt wurden, damit die Familie nicht zu kurz kommt“, sagte Steinhart. Um öffentliche Sicherheit und medizinische Qualität gleichermaßen längerfristig abzusichern, müsse man qualifizierte Ärztinnen und Ärzte für die polizeiärztliche Tätigkeit gewinnen und dort langfristig halten. "Es bedarf der nötigen Informationen und ausreichend Promotion, damit sich Ärztinnen und Ärzte für diese spannende Tätigkeit entscheiden“, betonte der Kammerpräsident.

Ein Mann und zwei Frauen
Chefärztin der LPD Wien Patricia Fous-Zeiner, Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer und der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien und Yasmin Frank-Dastmaltschi, Chefärztin des Innenministeriums (v.l.). Foto: ÖÄK/Stefan Seelig

Öffnung in alle Fachrichtungen

Wie einem drohenden Mangel bereits gegengesteuert wurde, skizziert Yasmin Frank-Dastmaltschi, Chefärztin des Innenministeriums und der Bundespolizei: „Vor vier Jahren haben wir die Gehälter angepasst und auch Teilzeitstellen eingerichtet, damit sich Beruf und Familie besser vereinbaren lassen. Wir haben zunehmend Zulauf von Frauen. Unser Beruf ist sehr abwechslungsreich und spannend und eine gute Alternative zum Spital." Eine wichtige Erweiterung gab es außerdem hinsichtlich der Aufnahmeregelung in den polizeiärztlichen Dienst: War die Eignung früher auf die Allgemeinmedizin beschränkt, wurde diese für sämtliche Fachrichtungen geöffnet. 

Patricia Fous-Zeiner, Chefärztin der Landespolizeidirektion Wien sagte: „Es ist kein Routinejob, und genau das macht diesen Job so außergewöhnlich. Mir persönlich gefällt besonders die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen. Momentan gibt es in der Bundeshauptstadt 28 Polizeiärztinnen und -ärzte. „Ich kann es jedem empfehlen: Es ist ein ganz spannendes Gebiet, in dem man zusätzlich gute Aufstiegschancen hat“, sagt Fous-Zeiner.

 

Infobox zu Voraussetzungen & Ausbildung

Eine exekutivdienstliche Ausbildung ist für die Aufnahme in den polizeiärztlichen Dienst nicht erforderlich.

Vorausgesetzt werden: 

• eine abgeschlossene Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin bzw. zum Allgemeinmediziner und/oder zur Fachärztin bzw. zum Facharzt mit Ius practicandi (Berechtigung zur selbstständigen Ausübung der ärztlichen Tätigkeit)
• die österreichische Staatsbürgerschaft
• die volle Handlungsfähigkeit
• eine polizeiamtsärztlich festgestellte gesundheitliche Eignung
• die Lenkberechtigung für die Klasse B


Polizeiamtsärztinnen und -ärzte werden in einem Lehrgang auf ihre Aufgaben vorbereitet. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem rechtliche Vorträge, Verkehrsrecht und Verkehrsmedizin, Forensik, Psychiatrie, Medizinrecht und Kriminalistik.

„Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren in Pension gehen, wird die Nachbesetzung von Ärztinnen und Ärzten in vielen Bereichen des Gesundheitssystems herausfordernd.“
Blaulicht
In der Landespolizeidirektion Wien sind derzeit 28 Ärztinnen und Ärzte tätig.
Foto: 2026 Sarti art/Shutterstock
„Vor vier Jahren haben wir die Gehälter angepasst und auch Teilzeitstellen eingerichtet, damit sich Beruf und Familie besser vereinbaren lassen. Wir haben zunehmend Zulauf von Frauen.“
„Der Job verlangt einerseits Teamarbeit, bringt aber auch die Herausforderung mit sich, selbstständig tätig zu werden und in Stresssituationen rasch zu entscheiden.“
 
© Ärztin für Wien | 15.10.2026 | Link: https://www.aerztinfuerwien.at/fuer-aerztinnen/kein-tag-ist-wie-der-andere